Familie und Fernbeziehung vereinen

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Jeden Sonntag dasselbe Bild: Noch ein Kuss, eine Umarmung für die Kinder und dann macht sich Papa wieder auf den Weg in eine andere Stadt. Fernbeziehungen basieren meist auf beruflichen Gründen. Doch wie kann man die Familie zusammenhalten?

Warum es Fernbeziehungen überhaupt gibt

Fernbeziehungen sind meist nicht unbedingt etwas, das man sich als Familie ausgesucht hat. Oft entstehen sie aus der Not heraus, weil einer der beiden Partner die Möglichkeit hat, beruflich in eine andere Stadt oder in ein anderes Land zu wechseln. Der Partner bleibt mit den Kindern in der Heimatstadt. Das hat mehrere Gründe. In erster Linie geht es darum, die Kinder nicht aus ihrer bekannten Umgebung zu lösen und ihnen die Möglichkeit zu lassen, weiter bei ihren Freunden zu bleiben. Häufig leben auch nähere Verwandte, wie die eigenen Eltern oder Geschwister, in der Stadt und man möchte sich nicht von ihnen trennen.

Sind die Kinder schon schulpflichtig, kann gerade der Wechsel in ein anderes Land für die Kinder schwer werden. Also wird die Entscheidung getroffen, dass sich die paar Jahre Fernbeziehung ganz sicher gut überbrücken lassen. Wie komplex dieses Thema tatsächlich ist und wie viel Arbeit dahintersteckt, wird oft gar nicht so wahrgenommen. Dies zeigt sich erst mit der Zeit, wenn alle an ihre Grenzen kommen.

Jeden Sonntag dasselbe Bild: Noch ein Kuss, eine Umarmung für die Kinder und dann macht sich Papa wieder auf den Weg in eine andere Stadt. Fernbeziehungen basieren meist auf beruflichen Gründen. Doch wie kann man die Familie zusammenhalten? (#02)

Jeden Sonntag dasselbe Bild: Noch ein Kuss, eine Umarmung für die Kinder und dann macht sich Papa wieder auf den Weg in eine andere Stadt. Fernbeziehungen basieren meist auf beruflichen Gründen. Doch wie kann man die Familie zusammenhalten? (#02)

Gerade die Kinder leiden sehr

Auch wenn sich Erwachsene oft gut mit einer Fernbeziehung arrangieren können, fällt dies den Kindern nicht so leicht. Gerade dann, wenn die Trennung nicht von Anfang an bestanden hat, ist diese eine große Veränderung im Leben der Kinder. Sie möchten die Familien-Nachrichten auch weiter mit Mama und Papa teilen und nicht darauf warten, dass Papa am Wochenende nach Hause kommt. Sie haben das Gefühl, dass die Familie nicht vollständig und bekommen Probleme dabei, sich ganz auf den Elternteil einzulassen, der häufig nicht da ist.

Natürlich arbeiten viele Eltern auch Vollzeit und sehen die Kinder nur am Morgen und am Abend. Dies ist aber eine Zeit, in der sie da und für die Kinder erkennbar sind. Anders sieht es bei einer Fernbeziehung aus. Kommt der Elternteil nur an den Wochenenden oder noch seltener nach Hause, dann nimmt er nicht am aktiven Familienleben teil. Für die Kinder spielt aber durchaus auch die Quantität der Zeit, die sie mit den Eltern verbringen, eine große Rolle.

Video:Fernbeziehung und Kinder?

Der Kampf gegen die Entfremdung

Je nach Alter des Kindes versteht es noch gar nicht, warum eine Fernbeziehung geführt wird und das diese Person, die immer mal wieder nach Hause kommt, einen wichtigen Teil der Familie darstellt. Das kann zu einer Entfremdung oder dazu führen, dass gar keine Verbindung aufgebaut wird. Damit ist Frust vorprogrammiert. Wenn Papa am Wochenende nach Hause kommt, möchte er mit den Kinder spielen und kuscheln. Diese nehmen aber Abstand und wollen lieber von der Mama ins Bett gebracht werden. Das ist keine Seltenheit und Trauer mischt sich bei dem abgelehnten Elternteil mit Ärger und Frust. So entsteht eine Belastungsprobe für die Beziehung.

Zudem baut sich bei Kindern, die eine enge Bindung zu ihrem Papa haben, eine Trauer auf. Sie haben große Probleme damit, jedes Mal wieder den Abschied auf sich zu nehmen. Sie ziehen sich in sich zurück und versuchen, diese Trauer zu kompensieren. Auch tröstende Worte helfen nur wenig. Dies hängt damit zusammen, dass Erwachsene anders trösten, als es für die Kinder wirklich verständlich ist. Sätze wie: „In zehn Tagen ist der Papa wieder da“, sind für das Kind nicht greifbar. Sie verstehen nicht, was das für ein Zeitraum ist und können nicht einschätzen, wie lange sie warten müssen. Für ältere Kinder kann es hilfreich sein, einen Kalender aufzuhängen und zu markieren, wie viele Tage es noch sind, bis der Papa wieder da ist.

Das Elternteil, das nicht immer bei der Familie ist, muss viel Fingerspitzengefühl mitbringen. Die eigenen Gefühle, wie Enttäuschung und Trauer, dürfen zwar zugelassen werden. Allerdings ist es wichtig, sich dem Kind gegenüber verständnisvoll zu zeigen. Es kann sinnvoll sein, das Gespräch mit dem Kind zu suchen und sich genau anzuhören, was es fühlt.

Auch wenn es kein Tipp ist, der neu sein dürfte, so muss immer wieder auf die Kommunikation hingewiesen werden. Damit Fernbeziehungen funktionieren können, muss gesprochen werden. Das gilt nicht nur für die Kommunikation der Eltern untereinander. (#01)

Auch wenn es kein Tipp ist, der neu sein dürfte, so muss immer wieder auf die Kommunikation hingewiesen werden. Damit Fernbeziehungen funktionieren können, muss gesprochen werden. Das gilt nicht nur für die Kommunikation der Eltern untereinander. (#01)

Kommunikation als wichtiges Mittel

Auch wenn es kein Tipp ist, der neu sein dürfte, so muss immer wieder auf die Kommunikation hingewiesen werden. Damit Fernbeziehungen funktionieren können, muss gesprochen werden. Das gilt nicht nur für die Kommunikation der Eltern untereinander. Auch die Kommunikation mit den Kindern sollte immer aufrecht gehalten werden. Hier bringen die modernen Medien zahlreiche Vorteile mit sich. Sie sorgen dafür, dass man auch aus der Ferne mit seiner Familie in Kontakt bleiben kann. Wenn es möglich ist, dann ist die Video-Telefonie mit den Kindern die erste Wahl. So haben sie ein Bild zur Stimme und merken, dass sich Papa oder Mama ganz auf sie konzentrieren.

Wichtig ist das Gespräch mit dem Partner. Es ist ein typisches Muster, dass die Person, die häufig nicht zu Hause ist, große Schuldgefühle empfindet. Der Gedanke, nicht bei der Familie sein zu können, wiegt schwer. Wer dagegen mit den Kindern zu Hause bleibt, der hat vielleicht das Gefühl, dass der Partner sich vor der Verantwortung drückt und die gesamte Last auf den eigenen Schultern liegt. Diese Gefühle bauen sich nach und nach auf und es kann zu Streit kommen. Daher sollten sie schon früh thematisiert werden. Nur dann, wenn der Partner auch weiß, wie der andere denkt, können Bedenken genommen werden.

Wenn Familien darüber nachdenken, die Fernbeziehung zu beenden und ganz in die neue Stadt oder das neue Land zu ziehen, dann sollte hier ausreichend Zeit eingeplant werden. (#03)

Wenn Familien darüber nachdenken, die Fernbeziehung zu beenden und ganz in die neue Stadt oder das neue Land zu ziehen, dann sollte hier ausreichend Zeit eingeplant werden. (#03)

Das Interesse an der Familie behalten

Die Lücke wird kleiner, wenn sich das Elternteil, das woanders arbeitet, weiter aktiv am Familienleben beteiligt. Das heißt, dass das Interesse an den Entwicklungen zu Hause immer bestehen sollte. Nachfragen, wie es im Kindergarten oder in der Schule war, gehört ebenso dazu, wie Termine einzuhalten. Die Tanzaufführung im Kindergarten am Freitagnachmittag oder die Weihnachtsfeier an der Schule – für die Eltern mag das ein Termin sein, der keine so große Bedeutung hat.

Für die Kinder ist es ein wichtiger Termin, den sie gerne mit ihren Eltern teilen möchten. An dieser Stelle sollte der Job zurückgestellt werden. Oft sind die Termine schon lange vorher bekannt. Es ist also genug Zeit, um Termine zu verschieben und sich frei zu nehmen. Es gibt immer wieder Situationen, da ist die Anwesenheit von beiden Eltern gefragt und diese sollten auch da sein.

Die Familie nachholen – was ist mit einem Umzug?

Oft beginnt eine Fernbeziehung damit, dass man nur für ein paar Monate in eine andere Stadt soll. Es geht vielleicht um ein Projekt oder den Aufbau einer neuen Zweigstelle. Noch weiß niemand, dass diese neue Stadt auch eine Chance für die ganze Familie sein kann. Der Partner, der unterwegs ist, wird sich ein zweites Leben aufbauen. Er lernt Kollegen kennen, hat hier vielleicht eine Wohnung und beginnt damit, die Stadt für sich zu entdecken. Nicht selten bieten Unternehmen auch Verlängerungen oder einen kompletten Wechsel an. Doch was ist dann?

Wenn Familien darüber nachdenken, die Fernbeziehung zu beenden und ganz in die neue Stadt oder das neue Land zu ziehen, dann sollte hier ausreichend Zeit eingeplant werden. Längere Urlaube vor Ort, die Suche nach passenden Schulen und Kindergärten sowie nach einer Wohnung oder einem Haus, dürfen nicht überstürzt werden. Schritt für Schritt kann die Zusammenführung für die Kinder besonders einfach sein und die Familie nach einer langen Fernbeziehung wieder vereinen.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Andrey_Popov -#01: Dean Drobot -#02: Syda Productions   -#03: ESB Professional

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Über Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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