Wie wirken Vornamen auf andere?

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Namen haben in unserem Leben eine wichtige Rolle, insbesondere die Vornamen, denn diese behalten wir in der Regel das Leben lang. Gerade aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich Eltern Gedanken darüber machen, wie der oder Vornamen des Kindes auf andere wirken und welche Botschaft sie aussenden.

Das Leid vom „Kevinismus“

Dass Vornamen eine wesentliche Funktion haben, das ist schon immer bekannt. Dass Vornamen aber auch eine deutlich negative Konnotation hervorrufen können, ist ein Phänomen, das sich erst im neuen Jahrtausend entwickelt hat. Zum Leidwesen vieler Eltern, die ihrem Kind den Namen Kevin gegeben haben, ruft dieser Vorname mittlerweile besonders negative Assoziationen hervor. Eine Vielzahl an Sprachwissenschaftlern und Soziologen nennen das Phänomen sogar „Kevinismus“. Dabei handelt es sich um die gehäufte Tatsache, dass Eltern aus den unteren sozialen oder bildungsfernen Schichten dazu neigen, ihren Kindern Namen mit einem anglophonen Klang zu geben. Schade für all diejenigen, die ihr Kind Kevin genannt haben, weil ihnen dieser Name gefällt.

Noch schlimmer: Manche Eltern schrecken davor zurück, ihren kleinen Jungen Kevin zu nennen, um Hänseleien in der Schule oder Stigmatisierungen vonseiten der Lehrer zu umgehen. Dieses Beispiel zeigt, dass die Wahl der Vornamen eine gewaltige Wirkung hat. Nicht nur auf das Kind selbst, sondern auch auf seine Umwelt. Doch wie das Umfeld das Kind behandelt, prägt nun auch wieder dessen Charakter – es wird deutlich: Die Sache mit den Vornamen ist gar nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht. Kein Wunder also, dass eine Vielzahl von Eltern sich vorab gründlich Gedanken macht, wie der Sprössling genannt werden könnte. Recherche im Netz zum Beispiel hier oder in traditionellen Namensratgebern zeigen eine riesige Auswahl an potenziellen Vornamen – doch wie wirkt der Vorname eigentlich auf andere?

Video: So müssen Jungs jetzt heißen: Die beliebtesten Vornamen haben sich geändert

Neumodische Namen oder Namen mit Tradition wählen?

Es gibt eine riesige Auswahl an Vornamen, sowohl für Mädchen als auch für Jungs. Generell haben die Eltern die Wahl zwischen zwei Grundrichtungen: So gibt es einerseits die Klassiker, die bereits eine lange Tradition haben und bereits unseren Großeltern und Urgroßeltern als Namensvorlagen galten. Zum anderen prägen besonders anglophon bzw. französisch klingende Vornamen das Bild: Ob René, Amelie, Jessica oder Steven – diese Namen gelten als Vertreter der neuen Generation. Zu den alt bewährten Namen zählen unter anderem Luise bzw. Luisa, Alexander, Max(imilian) oder Emma. Bei diesen eher traditionsreichen Namen gibt es noch einmal besondere regionale Spezifikationen. Während Lars oder Finn recht nordisch klingen, kommt Josef oder Max eher aus dem Süden.

Die Auswahl an möglichen Vornamen ist also wirklich riesig. Doch was verbinden andere eigentlich mit einem bestimmten Vornamen? Denkt man selbst nach, so klingt beispielsweise Nicole oder Jeanette ziemlich modern. Hört man nur den Namen, so ist es nicht selten, dass diesem auch besondere Eigenschaften zugeschrieben werden. In einer Studie der Technischen Universität Chemnitz wurde deutlich, dass Vornamen ganz konkrete Assoziationen hervorrufen. So unterschied die Studie zwischen mehreren Charaktereigenschaften, die einem Vornamen zugeordnet werden konnten: Jugendlichkeit, Attraktivität und Intelligenz waren die drei Eigenschaften, die den Namen attestiert werden konnten. Die Vornamen an sich waren in drei Kategorien geteilt: Altmodisch, zeitlos und modern.

Video: Sag mir deinen Namen – Numerologie für Einsteiger

Eigenschaften und Vornamen: Die Studie der Technischen Universität Chemnitz

Die Studie der Technischen Universität Chemnitz wurde von zwei Diplomanden aus dem Fach Psychologie verwirklicht. Mit einer relativ geringen Probandenmenge von 149 Personen wurden insgesamt 60 gängige Vornamen ausgewertet. Im Rahmen der Diplomarbeit zeigte die Studie jedoch genau das, was die meisten Eltern auch vermuten. Ein Vorname besagt mehr als 1000 Worte – so werden bestimmten Vornamen spezifische Eigenschaften zugeschrieben. In der Kategorie moderne Namen können folgende Beispiele genannt werden:

  • Laura: attraktiv und intelligent, jedoch nicht jugendlich
  • Lea: jugendlich, attraktiv und obendrein auch noch intelligent
  • Jan: neutral, weder attraktiv, noch jugendlich oder intelligent
  • Tim: jugendlich, attraktiv

Bei den zeitlosen Namen fällt das Ergebnis etwas differenzierter aus:

  • Claudia: absolut neutral, nicht besonders jugendlich, nicht ausfallend intelligent und nicht besonders attraktiv
  • Jana: Ebenfalls neutral, lediglich attraktiver als Claudia
  • Matthias und Michael: nicht jugendlich, hingegen intelligent
  • Thomas: ebenfalls durchschnittlich, jedoch intelligent

Als Beispiele für moderne Namen wurden folgende vier genannt:

  • Hannah: neutral, jedoch intelligent
  • Leonie: jugendlich und attraktiv, nicht besonders intelligent
  • David: absolut neutral in allen drei Bereichen
  • Paul: nicht jugendlich und in einem normalen Maße intelligent und attraktiv

Die Auswertung der Ergebnisse zeigt, dass traditionelle Namen durchaus jugendlich wirken können und dass moderne Namen nicht immer mit Jugendlichkeit in Verbindung gebracht werden müssen. Ferner zeigt sich auch, dass Intelligenz und Attraktivität oftmals mit dem Vornamen einer Person in Verbindung gebracht werden.

 

Als einziger Ausreißer ist hier bei den zehn beliebtesten Mädchennamen Emilia zu nennen. B

Als einziger Ausreißer ist hier bei den zehn beliebtesten Mädchennamen Emilia zu nennen. (#00)

Die Namenstrends im Jahr 2016

Die Auswertung der Namenstrends aus dem Jahr 2016 wies große Parallelen zu denen aus den Jahren davor auf. Generell zeigt ein Blick auf die Liste, dass vor allem kurze Namen mit maximal zwei Silben besonders beliebt waren. Als einziger Ausreißer ist hier bei den zehn beliebtesten Mädchennamen Emilia zu nennen. Bei den zehn beliebtesten Jungennamen gibt es gar keinen Namen mit drei Silben. Im Gegenteil: Einsilbige Namen, die kaum mehr abgekürzt werden können, zeigen sich besonders beliebt. Hier die zehn populärsten Vornamen für Mädchen auf einen Blick – immer mit dabei die alternative Schreibweise, da sich zwar die Aussprache ähnelt, die Schreibweise aber je nach Region und Präferenz der Eltern variiert.

  1. Mia
  2. Emma
  3. Sofia / Sophia
  4. Hannah / Hanna
  5. Emilia
  6. Anna
  7. Marie
  8. Mila
  9. Lina
  10. Lea / Leah
Auch mit einem Blick auf die zehn häufig gewählten Jungennamen aus dem Jahr 2016 wird deutlich, dass die Würze in der Kürze der Namen liegt. (#01)

Auch mit einem Blick auf die zehn häufig gewählten Jungennamen aus dem Jahr 2016 wird deutlich, dass die Würze in der Kürze der Namen liegt. (#01)

Auch mit einem Blick auf die zehn häufig gewählten Jungennamen aus dem Jahr 2016 wird deutlich, dass die Würze in der Kürze der Namen liegt. Generell sind sowohl die Namen der Jungen als auch die der Mädchen recht traditionell gehalten. Lina und Emma gab es vor vier Generationen ebenso wie Paul und Jonas.

  1. Ben
  2. Paul
  3. Jonas
  4. Elias
  5. Leon
  6. Finn / Fynn
  7. Noah
  8. Luis / Louis
  9. Lukas / Lucas
  10. Felix
Amalia beispielsweise ist ein Name, der in Friedrich Schillers Drama Die Räuber vorkommt. Ein solcher Name kann – muss aber nicht – auf belesene Eltern hindeuten. (#03)

Amalia beispielsweise ist ein Name, der in Friedrich Schillers Drama Die Räuber vorkommt. Ein solcher Name kann – muss aber nicht – auf belesene Eltern hindeuten. (#03)

Der Vorname verrät einiges

Wie das oben genannte Phänomen des Kevinismus beweist, sagt der Vorname einiges über das Kind selbst aus. Zwar kann über den Vornamen kein direkter Schluss über die Attraktivität, die Intelligenz und die Jugendlichkeit gezogen werden, denn dabei handelt es sich lediglich über Assoziationen, die mit einem Vornamen gemacht werden. Was jedoch tatsächlich der Fall ist, ist, dass einige Vornamen von bestimmten Schichten häufiger gewählt werden als von anderen Schichten. Über den Namen eines Kindes kann also bereits vorab einiges über sein Umfeld herausgefunden werden: Der Name verrät beispielsweise viel über das Milieu, die Familie und die Herkunft im Allgemeinen. So sind traditionelle Namen bzw. Namen mit einem besonderen Bezug eher bei bildungsnahen Schichten zu finden.

Amalia beispielsweise ist ein Name, der in Friedrich Schillers Drama Die Räuber vorkommt. Ein solcher Name kann – muss aber nicht – auf belesene Eltern hindeuten. Auch Helena zum Beispiel ist ein Bezug zu Homers Ilias. Englisch klingende Namen werden hingegen oftmals den bildungsfernen Schichten zugesprochen. Kinder, die vor 1989 geboren sind und anglofone Vornamen haben, werden auch oftmals darauf reduziert, aus den neuen Bundesländern zu stammen. All diese Zuschreibungen können, müssen jedoch nicht stimmen. Generell stellt sich in diesem Zusammenhang natürlich die Frage, wie der Name des Nachwuchses gewählt werden soll – der Vorname soll gefallen, den eigenen Geschmack widerspiegeln und auch noch positiv konnotiert sein. Das kann zur Herausforderung für die werdenden Eltern werden.


Bildnachweis:©Fotolia-Titelbild:  famveldman -# 00:reichdernatur -#01: reichdernatur -#03: tan4ikk

Über den Autor

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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