Verbrennungen: Erste Hilfe bei Baby und Kind

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Gefahrenquellen für Verbrennungen und Verbrühungen bei Babys und Kindern gibt es überall: Schon ein winziger Moment der Unaufmerksamkeit bei den Eltern oder anderen Betreuungspersonen kann ausreichen, um ein Baby oder Kind schwer zu verletzen.

Neben Erstickungen gehören Verbrennungen zu den häufigsten Unfällen im Kindesalter. Vor allem in der Küche lauern viele gefährliche Risiken und auch leichte Verbrennungen können bereits heftige Schmerzen verursachen.

Verbrennungen: Die Gefahrenquellen erkennen

Die Gefahr für Verbrennungen im häuslichen Umfeld ist sehr groß:

  • am heißen Herd oder Backofen
  • durch heiße Töpfe, Teller oder Backbleche
  • generell durch kochendes Wasser
  • durch Wasserdampf
  • bei offenem Feuer oder brennenden Kerzen
  • durch heißes Fett in der Pfanne oder Fritteuse
  • am heißen Bügeleisen
  • am Grill im Garten.

Besonders häufig im Kindesalter treten Verbrennungen in Form von Verbrühungen mit heißem Wasser oder Wasserdampf auf. Steht zum Beispiel ein Wasserkocher mit herunterhängendem Kabel ungesichert auf der Arbeitsplatte, können Kinder leicht am Kabel ziehen und sich mit dem heißen Wasser überschütten. Das Risiko ist umso größer, je kleiner das Kind ist.

Eine weitere Gefahrenquelle ist die Tischdecke, wenn auf dem Tisch zum Beispiel eine Kanne mit heißem Kaffee oder Tee steht. Zieht das Kind in einem unbeobachteten Moment schwungvoll an der Decke, kann es sich leicht mit dem heißen Kaffee übergießen. Jetzt ist schnelle erste Hilfe gefragt.

Je nach Auslöser der Verbrennung oder Verbrühung wird die Kinderhaut extremsten Temperaturen ausgesetzt. Schon Wasser mit einer Temperatur von mehr als 50 Grad kann schwere Verbrennungen verursachen, kochendes Wasser hat gar eine Temperatur von 100 Grad.

Noch gefährlicher ist heißes, flüssiges Fett mit rund 200 Grad. Je mehr heißes Fett die Haut erreicht, umso schwerer können die Verbrennungen ausfallen. Offenes Feuer hat erreicht Temperaturen von über 1000 Grad. Verbrennungen fallen hier meist besonders schwer aus.

Wie schwer eine Verbrennung die Haut geschädigt hat, lässt sich anhand von verschiedenen Merkmalen erkennen. Generell spricht man bei der Beurteilung der Schädigung von den so genannten Verbrennungsgraden.

Wie schwer eine Verbrennung die Haut geschädigt hat, lässt sich anhand von verschiedenen Merkmalen erkennen. Generell spricht man bei der Beurteilung der Schädigung von den so genannten Verbrennungsgraden.(#01)

Die Schwere von Verbrennungen erkennen: Verbrennunsgrade

Wie schwer eine Verbrennung die Haut geschädigt hat, lässt sich anhand von verschiedenen Merkmalen erkennen. Generell spricht man bei der Beurteilung der Schädigung von den so genannten Verbrennungsgraden. Die nachfolgende Tabelle zeigt, wie sich die einzelnen Verbrennungsgrade unterscheiden.

 

Verbrennungsgrad Merkmale
Verbrennungsgrad 1 –          leichte Rötung und Schwellung der Haut

–          Brennender Schmerz

Verbrennungsgrad 2 –          Starke Rötung oder Schwellung der Haut

–          Bildung von Brandblasen (teils verzögert), die sich teilweise öffnen

–          Starke Schmerzen

Verbrennungsgrad 3 –          Vollständige Zerstörung der Hautoberfläche und tieferer Hautschichten

–          Verkohlte oder weiße Haut, fester Schorf

–          Schädigung der Nerven, deswegen herabgesetztes Schmerzempfinden

Verbrennungsgrad 4 –          Verkohlung aller Hautschichten und darunterliegender Muskeln, Gelenke und Sehnen

–          betroffene Gliedmaßen müssen häufig amputiert werden

 

 

Egal, wie leicht oder schwer die Verbrennung oder Verbrühung bei Babys und Kindern auch ist – die wichtigste Regel lautet immer: Ruhe bewahren.

Egal, wie leicht oder schwer die Verbrennung oder Verbrühung bei Babys und Kindern auch ist – die wichtigste Regel lautet immer: Ruhe bewahren.(#02)

Bei Babys und Kindern kann schon acht Prozent verbrannte Hautfläche Lebensgefahr bedeuten, bei Erwachsenen sind es rund 15 Prozent. Nicht immer ist der Grad einer Verbrennung sofort zu erkennen, weil sich Brandblasen beispielsweise häufig auch erst später bilden.

Sind Eltern unschlüssig, wie schwer eine Verbrennung oder eine Verbrühung bei ihrem Kind oder Baby ist, sollte nach der ersten Hilfe so schnell wie möglich ein Arzt zu Rate gezogen werden. Bei schweren Verbrennungen sollte unmittelbar der Notarzt gerufen werden.

Unterschiede gibt es auch bei der Heildauer, die sich nach dem Verbrennungsgrad richtet. Verläuft die Regeneration bei Verbrennungsgrad 1 und 2 im Abstand weniger Tage bis Wochen, kann die Heilung bei Verbrennungsgrad 3 nach einer ärztlichen Behandlung oft noch Monate dauern.

Die richtige Behandlung: Sofortmaßnahmen bei Verbrennungen von Babys und Kleinkindern

Egal, wie leicht oder schwer die Verbrennung oder Verbrühung bei Babys und Kindern auch ist – die wichtigste Regel lautet immer: Ruhe bewahren. Sollte es zu einem Brand gekommen sein, gilt es, diesen schnellstmöglich zu löschen – mit Wasser oder durch Ersticken mit einer Decke.

Achtung: Fettbrände dürfen auf keinen Fall mit Wasser gelöscht werden, da es in diesem Fall zu einer schweren Explosion kommen kann. Hier gilt es immer, die Flamme mit einer Decke oder einem Handtuch zu ersticken. Sollte ein Kind brennen, kann dieses auch über den Boden gewälzt werden.

Je nach Ausmaß des Brandes kann es auch nötig sein, die Feuerwehr zu alarmieren. Dies erfolgt über die bundesweit einheitliche Notrufnummer 112. Am Telefon ist es es wichtig, der Leitstelle alle relevanten Informationen zu vermitteln.

Das geht durch die Beantwortung der folgenden Fragen:

  • Wer ruft an? Sie nennen Ihren Namen.
  • Wo befindet sich der Brand? Sie übermitteln die genaue Adresse.
  • Was ist passiert? Sie beschreiben kurz die Situation
  • Wie ist die Lage vor Ort? – Sie berichten, ob es Brandverletzungen gibt beziehungsweise Menschen weiterhin durch das Feuer in Gefahr sind.

Am Ende des Anrufs ist es wichtig, nicht einfach aufzulegen, sondern auf weitere Rückfragen zu warten. Beendet wird das Gespräch ausschließlich durch die Rettungsleitstelle.

Doch wie ist das korrekte Verhalten bei kleineren Verbrennungen im Rahmen der ersten Hilfe?

Doch wie ist das korrekte Verhalten bei kleineren Verbrennungen im Rahmen der ersten Hilfe?(#03)

Verbrennung nicht zu stark kühlen!

Doch wie ist das korrekte Verhalten bei kleineren Verbrennungen im Rahmen der ersten Hilfe? Hat sich ein Kind zum Beispiel den Finger verbrannt, liegt es nahe, diese Verletzung schnell mit viel Wasser kühlen zu wollen. Doch das ist genau falsch! Die neueste wissenschaftliche Leitlinie empfiehlt stattdessen, kleinflächige Verbrennungen rund zehn Minuten mit Wasser zu spülen, das jedoch eine Temperatur von mindestens 15 Grad haben sollte.

Dies lindert die Schmerzen, vermeidet aber die Gefahr einer Unterkühlung, die je nach Schwere nach einer Verbrennung für Kreislaufversagen sorgen kann und damit lebensgefährlich ist. Darüber hinaus fördert zu kaltes Wasser oder gar Eis die Durchblutung der betroffenen Körperstelle. Zwar fühlt sich dies zunächst angenehm an, die Folgen sind allerdings noch stärkere Schmerzen.

Wichtig ist es auch, die Brandwunden nicht zu berühren und eventuell vorhandene Brandblasen auf keinen Fall zu öffnen. Dies erhöht die Gefahr einer Infektion. Sollte es nötig sein, im Zuge der Behandlung eine Brandblase zu öffnen, gehört dieser Vorgang auf jeden Fall in ärztliche Hand.

Hat sich ein Kind mit heißem Wasser verbrüht, sollte die nasse Kleidung so schnell wie möglich, aber mit besonderer Vorsicht ausgezogen werden.

Verbrennungen, die eine größere Fläche umfassen, sollten auf keinen Fall gekühlt oder mit Wasser in Kontakt gebracht werden. Stattdessen ist es empfehlenswert, die verbrannte Haut mit einem sterilen Verbandstuch locker abzudecken und damit vor Verunreinigungen zu schützen.

Auf keinen Fall sollten Verbrennungen großflächig mit Brandsalben eingerieben werden, da die verbrannte Haut so keinen Kontakt mehr mit Sauerstoff hat. Dies macht die Verletzung noch schlimmer und sorgt für noch größere Schmerzen. Zur Behandlung ungeeignet sind auch alte Hausmittel wie Puder oder Öl. Sie verunreinigen die verbrannten Stellen und erhöhen das Infektionsrisiko. Darüber hinaus sollten Brandblasen niemals geöffnet werden, da sich die Haut auch dadurch mit Keimen infizieren kann.

Bei größeren Verbrennungen sollte ohne Zögern der Rettungsdienst unter der Rufnummer 112 alarmiert werden.

Schwere Verbrennungen gehören auf jeden Fall in ärztliche Behandlung, das Baby oder Kind sollte ins Krankenhaus.

Schwere Verbrennungen gehören auf jeden Fall in ärztliche Behandlung, das Baby oder Kind sollte ins Krankenhaus.(#04)

Verbrennungen: Wann ins Krankenhaus?

Schwere Verbrennungen gehören auf jeden Fall in ärztliche Behandlung, das Baby oder Kind sollte ins Krankenhaus. Doch auch leichtere Verbrennungen, die Hände und Füße, das Gesicht oder Genitalbereich betreffen, sollten nach der ersten Hilfe immer zur Sicherheit immer von einem  Arzt untersucht werden.

Bei besonders großen Verbrennungen ist unter Umständen eine Hauttransplantation erforderlich. Dabei wird die zerstörte Haut ersetzt und unter Umständen damit sogar das Leben des Babys oder Kindes gerettet. Eine Hauttransplantation ist dann nötig, wenn eine Rettung der Haut auf anderem Wege nicht mehr nötig ist.

Es existieren verschiedene Verfahren, die jedoch teilweise sehr langwierig sind und in der Regel einen längeren Krankenhausaufenthalt mit sich bringen. Bei einer Hauttransplantation werden von gesunden Stellen des Körpers Hautschichten entnommen. Unter Umständen ist auch eine Behandlung mit Kunsthaut möglich.

Einen hundertprozentigen Schutz vor Verbrennungen gibt es leider nie. Dennoch können Eltern einige Maßnahmen ergreifen, die das Risiko für schwere Verbrennungsunfälle bei Babys und Kindern verringern.

Einen hundertprozentigen Schutz vor Verbrennungen gibt es leider nie. Dennoch können Eltern einige Maßnahmen ergreifen, die das Risiko für schwere Verbrennungsunfälle bei Babys und Kindern verringern.(#05)

Verbrennungen im Kindesalter vermeiden: Wichtige Vorsorgemaßnahmen

Einen hundertprozentigen Schutz vor Verbrennungen gibt es leider nie. Dennoch können Eltern einige Maßnahmen ergreifen, die das Risiko für schwere Verbrennungsunfälle bei Babys und Kindern verringern.

Hier ein paar wichtige Tipps im Überblick:

  • Offenes Feuer – und selbst, wenn es nur eine Kerze ist – nie unbeaufsichtigt brennen lassen. Flammen sind immer unberechenbar.
  • Mit Kleinkindern und Babys nach Möglichkeit auf Tischdecken verzichten und heiße Getränke immer weit genug entfernt von der Tischkante abstellen.
  • Herdschutzgitter in der Küche installieren und Pfannen und Töpfe nie mit dem Griff nach vorne auf den Herd stellen. Beide Maßnahmen verhindern, dass ein Kind versehentlich auf den Herd greift und Töpfe mit heißem Inhalt über sich ergießt. Auch eine Sicherung für die Ofentür leistet gute Dienste. Wird der Herd gerade nicht benutzt, ist es immer sinnvoll, die Kindersicherung einzuschalten.
  • Statten Sie Ihre Wohnung mit Rauchmeldern aus! Sie schlagen Alarm, bevor es zu spät ist.
  • Vorsicht beim Baden in der Badewanne! Achten Sie darauf, das Badewasser nicht zu heiß einlaufen zu lassen und verzichten Sie darauf, heißes Wasser nachlaufen zu lassen, wenn Ihr Kind gerade in der Wanne sitzt. Bei vorhandenen Heißwasserboilern lässt sich die Temperatur bereits im Vorfeld begrenzen.
  • Trinken Sie keine Heißgetränke, wenn Ihr Kind auf Ihrem Schoß sitzt oder in der Nähe des Tisches auf dem Boden krabbelt. Es besteht Verschüttungsgefahr.
  • Nach der Benutzung eines Bügeleisens sollte dies immer an einem sicheren und für Kinder nicht erreichbaren Ort auskühlen. Die Platte des Bügeleisens bleibt noch eine ganze Weile sehr heiß.
  • Bewahren Sie Feuerzeuge und Streichhölzer für Kinder immer unerreichbar auf.
  • Schaffen Sie eine Löschdecke an und heben Sie diese an einem gut erreichbaren Ort auf, so dass sie im Notfall schnell greifbar ist. Eine Löschdecke kann Leben retten.

Auch, wenn all diese Ratschläge ihren Beitrag dazu leisten, die Gefahr für Verbrennungsunfälle auf ein Minimum zu reduzieren, ist es immer wichtig, sich mit den wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen vertraut zu machen und zu wissen, wie man sich im Notfall verhalten muss. Denn damit können Eltern sicherstellen, dass ihr Baby oder Kind bei einer Verbrennung so schnell wie möglich die wichtige und richtige Hilfe erhält.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Maria Symchych-#01: Anukool Manoton -#02: Andrey_Popov -#03:  Purino_-#04:   Volha_R-#05:  Oksana Shufrych_

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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