Mutter-Tochter-Beziehung: Liebe? Hass?

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Die Beziehung einer Mutter zu ihren Kindern ist immer etwas besonders. Aber die Mutter-Tochter-Beziehung ist aber mehr.

Die frühe Mutter-Tochter-Beziehung

In den ersten Jahren, meist bis hinein in die Grundschulzeit, ist die Bindung zwischen Tochter und Mutter besonders eng. Die eigene Mutter ist die wichtigste Bezugsperson in diesem Alter. Auch wenn der Vater geliebt wird, spielt er die ersten Jahre meist nur eine Nebenrolle. Häufig wird der Vater in diesen Jahren häufig komplett außen vor gelassen.

Die Mutter ist das Vorbild, die Tochter will alles mit ihr teilen – will so sein wie ihre Mutter. Was Mama sagt, ist Gesetz. Die kleinen Mädchen wollen in Mamas Schuhen durch die Wohnung laufen, Mamas Schmuck tragen – und nicht selten sich auch so anziehen, wie Mama. Die Kleine möchte so werde wie Mama, den gleichen Beruf lernen.

Diese frühe Mutter-Tochter-Beziehung ist nicht nur schön. Sie kann sehr anstrengend werden, wenn sich das kleine Töchterlein nur durch Mama beruhigen lässt. Wenn Papa nicht mal schnell das wickeln übernehmen kann, oder gar schon losgebrüllt wird, wenn Mama aus dem Zimmer geht.

Ist diese Mutter-Tochter-Beziehung besonders stark, wird die Eingewöhnung in den Kindergarten oder sogar die Einschulung ein richtiger Kraftakt. In diesem Alter können Mütter nur wenig tun, außer immer wieder versuchen, dem Töchterlein ein wenig mehr Freiraum zu geben, als es eigentlich will.

Gemeinsame Aktivitäten stärken die Mutter-Tochter-Beziehung.

Gemeinsame Aktivitäten stärken die Mutter-Tochter-Beziehung. (#01)

Wenn sich die Mutter-Tochter-Beziehung ändert

Irgendwann, meist schleichend, nabelt sich die Tochter ab. Erst wird Papa interessant, dann die Gleichaltrigen. Wenn dies so bleibt, ist das auch total normal. Doch häufig schlägt die erste Bewunderung der Mutter um. Plötzlich kann die eigene Mutter einfach nichts mehr richtig machen, nervt nur noch.

Wann dies passiert ist sehr unterschiedlich. Manche Töchter bewundern ihre Mütter noch mit zehn oder elf, bei einigen fangen die ersten Konflikte schon im Kindergarten an. Doch spätestens zur Pubertät sind die Konflikte dann in ihrer reinen Form greifbar. Die Mutter ist mittlerweile nur noch peinlich und nervig. Die Tochter lehnt alles, was ihre Mutter macht, sagt und möchte ab. Egal was. In diesem Stadium geht gar nichts mehr.

In dieser Situation kann der Mutter das Gespräch mit einem Fachmann helfen, erste Anlaufstelle ist hier das Elterntelefon:
anonym und kostenlos .  vom Handy und Festnetz
montags – freitags von 9 – 11 Uhr
dienstags + donnerstags von 17 – 19 Uhr
0800 111 0 550

Spätestens in der Pubertät ändert sich die Beziehung zwischen Mutter und Tochter.

Spätestens in der Pubertät ändert sich die Beziehung zwischen Mutter und Tochter. (#02)

Die Mutter-Tochter-Beziehung einer erwachsenen Tochter

Wie eine Mutter-Tochter-Beziehung mit ihrer erwachsenen Tochter ausschaut, hat die Mutter selbst in der Hand. Je nachdem, was sie ihrem kleinen Töchterlein vermittelt, kommt es bei der großen Tochter zurück.

Hat die Tochter ihre Kindheit als liebevoll, glücklich und mit viel Zuwendung und Zeit in Erinnerung, wird auch die erwachsene Tochter immer wieder die Nähe und den Rat der Mutter suchen. Hat sie sich in ihrer Kindheit aber unverstanden und ungeliebt gefühlt, ist das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter meist das ganze Leben lang schwierig.

So stellt sich jeder gerne die spätere Beziehung zwischen Tochter und Mutter vor. Leider ist es nicht immer so.

So stellt sich jeder gerne die spätere Beziehung zwischen Tochter und Mutter vor. Leider ist es nicht immer so.(#03)

Mutter-Tochter-Beziehung: Die 6 häufigsten Probleme

Es gibt viele Möglichkeiten, eine Mutter-Tochter-Beziehung zum Schwanken zu bringen. Doch diese sieben Verhaltensweisen zeigen das häufigste Problempotenzial:

  • Ablehnung
  • Egozentrik / Narzismus
  • Unzuverlässigkeit
  • Streitsucht
  • Kontrollzwang
  • Rollentausch

Video: Mütter und Töchter: eine besondere Beziehung

Ablehnung in der Mutter-Tochter-Beziehung

Ein kleines Kind kommt stolz zur Mutter, es hat gerade etwas (in seinen Augen) ganz tolles gemacht. Wenn die Mutter-Tochter-Beziehung intakt ist, lobt die Mutter das kleine Mädchen und freut sich mit ihm.

Doch wenn die Mutter sich nicht freut, im Gegenteil behauptet „das ist doch nichts“ oder es einfach überhört, dann kann das zu Störungen kommen.

In einem solchen Fall kann es passieren (wenn diese Situation häufig so vorkommt), dass die Tochter als Erwachsene immer Probleme mit Lob und ihren eigenen Bedürfnissen hat.

„Ich bin das nicht wert“ – „Ich kann nichts“ – „Was ich will, ist nicht wichtig“

Das sind dann die Glaubensätze, die diese junge Frau mit sich rumträgt. Wenn sie dagegen nichts tut, vielleicht sogar ein Leben lang.

Egozentrik & Narzissmus in der Mutter-Tochter-Beziehung

Egozentrische Mütter haben keine Kinder, sie haben „ein Anhängsel“. Dieses Anhängsel muss sich anpassen, egal wie. Passt es nicht, stört es. Diese Mütter manipulieren und kontrollieren, soviel es nur geht.

Narzisstische Mütter haben dazu noch keinerlei Möglichkeit, Empathie zu spüren. Was die Tochter fühlen könnte, was für sie wichtig ist, kann eine narzisstische Mutter nicht begreifen. Dafür weiß aber jeder, was sie denkt und will. Denn sie ist ja die wichtigste Person in diesem Haushalt. Ach, eher auf der ganzen Welt. Narzissten brauchen die immerwährende Anerkennung ihrer Umwelt.

Diese Anerkennung wird regelmäßig eingeholt, da ist kein Platz mehr für eine Tochter, die selbst ein paar nette Worte so dringend bräuchte.

Video: Narzisstische Mütter

Unzuverlässigkeit in der Mutter-Tochter-Beziehung

Unzuverlässigkeit hört sich erst mal nach einem Kavaliersdelikt an.

„Ach, Mensch… dann komm ich halt eine halbe Stunde zu spät oder hab den Termin vergessen. Ist doch nicht so schlimm?“ sagen diese Mütter.

Nein, wenn das einmal vorkommt, weil die Mutter einfach zu viel um die Ohren hatte, versteht das selbst ein kleines Kind. Doch wenn sich das Kind nur auf eines verlassen kann, nämlich dass es sich auf seine Mutter nicht verlassen kann, beschädigt das die Mutter-Kind-Bindung gehörig.

Wenn die Mutter gerade noch freundlich und nett ist, mit der Tochter herumblödelt und lacht und ohne erkennbaren Grund mit einem Schlag unbeherrscht und laut wird, dann weiß die Tochter nicht mehr auf was sie sich verlassen soll.

Die „Vergesslichkeit“ der Mutter zeigt den kleinen Töchtern, dass sie nicht wichtig genug sind. Denn alles andere ist immer wichtiger. Die Stimmungsschwankungen der Mutter versuchen die Kinder zu begreifen – doch warum ist das jetzt so? Was ist passiert, dass die „liebe und nette“ Mama plötzlich zur „bösen und lauten“ Mama mutiert ist. Finden die Kinder keinen anderen Grund, gibt es nur noch eine Erklärung: Der Grund dafür müssen sie selbst sein.

So kann es dann passieren, dass diese Töchter, wenn sie erwachsen sind, immer die Schuld bei sich suchen – egal was ihr Gegenüber gerade tut.

Warum rastet die – gerade noch so liebe und ausgeglichene – Mutter jetzt wieder aus? Kinder suchen irgendwann die Schuld bei sich

Warum rastet die – gerade noch so liebe und ausgeglichene – Mutter jetzt wieder aus? Kinder suchen irgendwann die Schuld bei sich(#04)

Streitsucht in der Mutter-Tochter-Beziehung

Das dauernde verbessern und schlechtmachen trifft die kleine Tochter sehr. Sie will Mama ja alles recht machen, aber egal was sie mache, ihre Mutter streitet sich um jede Kleinigkeit mit der Tochter. Dabei meint es die Mutter meist gut mit ihrer Tochter. Sie will ihr ja nur zeigen, was (nach ihrer Meinung) das richtige für sie ist.

Dieses dauernde schlechtreden und die andauernde Verbesserei zeigt der Tochter irgendwann aber nur eines: Sie kann gar nichts richtig machen! Ihr Leben lang hat die Tochter damit zu kämpfen, dass sie wertlos ist.

Mütter einer solchen erwachsenen Tochter wissen meist nicht, was sie falsch gemacht haben „Ich wollte doch nur ihr Bestes“.

Kann ich denn gar nichts richtig machen? Wenn Mütter nur noch nörgeln…

Kann ich denn gar nichts richtig machen? Wenn Mütter nur noch nörgeln… (#05)

Kontrollzwang in der Mutter-Tochter-Beziehung

Sobald die Mutter versucht die kleinste Kleinigkeit im Leben ihrer Tochter zu kontrollieren, wird es gefährlich. Dabei geht es nicht um solch „normale“ Dinge wie Schlafenszeit, Schulnoten oder wie viel Zeit am Handy oder vor dem Fernseher verbracht wird.

Die Mutter will ALLES bestimmen:

  • Was die Tochter zu anderen Menschen sagt
  • Was die Tochter zu wählen hat (Essen, Kleidung)
  • Wie die Tochter über andere denkt
  • Wie die Tochter sich zu verhalten hat

Daraus entsteht eine uneigenständige Tochter, die ihr Leben lang immer auf Mamas Rat und Hilfe angewiesen ist.

Rollentausch in der Mutter-Tochter-Beziehung

Wenn die Tochter schon als kleines Mädchen, Dinge entscheiden muss, die eigentlich die Mutter entscheiden soll, ist ein Rollentausch in vollem Gange. Meist passiert das mit nicht eigenständigen Müttern. Die Mutter hat Probleme selbst Entscheidungen zu treffen, so lässt sie diese lieber von der Tochter treffen.

Diese Kinder sind mit ihrer Rolle aber vollkommen überlastet.

Wenn diese Töchter bereits im Schulalter:

  • Alleine die Wäsche machen müssen
  • Auf ihre Geschwister aufpassen müssen
  • Abendessen kochen müssen
  • Sich um die Mutter kümmern müssen

Dann fühlen sich die Töchter später meist um ihre Kindheit betrogen.

Wenn die Tochter immer mehr auf die Mutter achten muss, fühlt sich das Kind bald überfordert.

Wenn die Tochter immer mehr auf die Mutter achten muss, fühlt sich das Kind bald überfordert.(#06)

Schwierige Mutter-Tochter-Beziehung: Konflikte vorprogrammiert

Die Mutter-Tochter-Beziehung hat immer ein bestimmtes Maß an Konfliktpotential. Doch, wenn zwischen beiden kaum ein normales Wort möglich ist, ist der Grund dafür meist in der früheren Kindheit zu suchen.

  • Hat die Mutter zu sehr geklammert?
  • Oder konnte sie dem kleinen Töchterlein kein liebes Wort geben?
  • Gab es genug Liebe, Geborgenheit und Wärme?
  • Oder gab es so viel davon, dass sich die Tochter kaum davor retten konnte?

Egal, in welchem Extrem sich die Mutter damals bewegt hat, dieses Extrem lies der Tochter damals keine Möglichkeit ihre Persönlichkeit so auszuleben, wie sie es wollte. Die Folge davon lässt sich in späteren Jahren spüren: Wenn nur das kleinste falsche Wort gleich wieder zu einem Streit eskaliert.

Im Endeffekt ist es immer wieder die gleiche Frage, die die Tochter der Mutter hier unbewusst stellt:

Warum hast du mich nie so geliebt, wie ich war?

Besser als diesen Satz immer nur im Hinterkopf herumspuken zu haben, wäre wohl ihn auszusprechen. Wenn der Tochter denn überhaupt klar ist, was sie so treib.

Humor und Gleichmut als Heilmittel

Es sind meist Kleinigkeiten, die die Tochter aus der Haut fahren lassen. Die Mutter meint es meist gar nicht böse. Eher hat sie Sorge um die Tochter oder möchte einfach etwas an ihrem Leben teilhaben. So ist die Frage „Was hast du denn heute so gemacht?“ bei einer erwachsenen Frau bestimmt keine Kontrolle mehr – doch diese hat, vielleicht noch aus Jugendtagen, diese Frage so satt. Fühlt sich immer noch bevormundet.

So reagiert die erwachsene Tochter auf die Bevormundung von damals – und gar nicht auf den Satz von eben. Wenn die Tochter das erkennt, kann sie dagegen wirken und diesen Satz dann vielleicht mit etwas Humor und Gleichmut nehmen.

Denn heute meint es die Mutter bestimmt nicht mehr als Kritik oder Bevormundung, sie möchte nur ein (kleiner) Teil des Lebens ihrer geliebten Tochter sein.

Natürlich funktioniert das nur bei solch einfachen Aussagen wie „Was hast du heute denn gemacht?“, sobald die Mutter in das Leben der Tochter eingreift „Ach nein, das kann doch nicht dein Ernst sein?“, ist es mit Humor und Gleichmut nicht mehr getan.

Hier darf – nein, muss – die Tochter Grenzen setzen.

Die Kinderzeit ist vorbei, sie ist jetzt erwachsen und weiß am besten, was sie will!

 Auch wenn es die Mutter vielleicht gar nicht so gemeint hat – und gerade die Welt nicht versteht – sollte die Tochter sich gegen die Bevormundung wehren.

Auch wenn es die Mutter vielleicht gar nicht so gemeint hat – und gerade die Welt nicht versteht – sollte die Tochter sich gegen die Bevormundung wehren. (#08)

Ganz die Mutter: Wie man fast jede Frau trifft!

Wenn eine Tochter einmal ganz genau in sich geht, merkt sie bald, dass sie viele Wesenszüge, viele Vorlieben und viele Ansichten von ihrer Mutter übernommen hat. Gerade wenn man aber mit dieser Mutter nicht im reinen ist, möchte man das am liebsten vergessen. Kommt dann noch von außen ein Satz wie dieser: „Du bist ja wie deine Mutter“ – ist er, egal ob positiv oder negativ gemeint, immer eine Ohrfeige.

Eine Tochter will nicht das Leben ihrer Mutter leben, sie will nicht sein wie die Mutter, jede Tochter möchte ihr eigenes Leben leben.

Deshalb sollten sich beide im Klaren sein: Wir sind zwei Personen, die sich – wenn es gut läuft – sehr lieben und schätzen.

Ganz die Mutter? Auch wenn die Mutter bestimmt einen großen Anteil daran hat, was wir mögen und wie wir sind, diesen Vergleich mag kaum eine Tochter!

Ganz die Mutter? Auch wenn die Mutter bestimmt einen großen Anteil daran hat, was wir mögen und wie wir sind, diesen Vergleich mag kaum eine Tochter! (#07)

Mutter-Tochter-Beziehung: Reden hilft

Wenn eine Mutter bei der erwachsenen Tochter merkt, dass etwas in der Kindheit schiefgelaufen ist, ist noch nicht alles zu spät. Sie sollte dann in einem ruhigen Moment diese Probleme ansprechen. Ohne sie zu beschönigen. Sie kann ihrer Tochter versuchen zu erklären, warum sie das damals so oder so getan hat und sie darf auch zugeben, dass es einfach Dinge gibt, die sie ihrer Tochter nicht geben kann.

Wenn eine Tochter merkt, dass ihr in der Kindheit etwas gefehlt hat, sollte auch sie das Gespräch suchen. Dabei sollte sie auf alle Vorwürfe verzichten. Die helfen gerade nicht weiter. Klar, hat es geschmerzt, dass einem die Mutter damals so alleine gelassen hat – doch ihr jetzt auch wehzutun, macht es nicht besser.

Beide müssen aufeinander zugehen – ohne jeglichen Groll, ohne Vorwürfe.

Häufig bedarf es hierzu mehrere Anläufe, gerade wenn die Erinnerungen zu schmerzhaft sind. Doch es lohnt sich! Auch eine eingefahrene Mutter-Tochter-Beziehung kann sich dadurch nachhaltig bessern.


BIldnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Halfpoint-#01: Alena Ozerova _-#02: Maksym Povozniuk-#03: George Rudy -#04: _Viachaslau Govorkov -#05: Prostock-studio -#06: altanaka -#07:  VGstockstudio-#08: Iakov Filimonov

Über Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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