Mein Kind isst nicht: Ab wann Eltern besorgt sein sollten

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Mein Kind isst nicht – wer sich ein wenig auf den Spielplätzen umhört oder auch mit Ärzten spricht, der wird schnell feststellen, dass diese Problematik gar nicht so selten auftritt. Dennoch stellt sich hier natürlich die Frage, ab welchem Zeitpunkt die Eltern sich wirklich Sorgen machen sollten.

Mein Kind isst nicht: Wie der Fütterungs-Instinkt Eltern und Kinder quält

Es geht bis ganz tief zurück in die Evolution: Der Fütterungs-Instinkt ist den Menschen und auch den Tieren angeboren. Jungtiere und Kinder können nur dann überleben, wenn sie auch genug Essen zu sich nehmen. Schon einem Baby wird immer zuerst, sobald es unruhig wird, Nahrung angeboten. Dies geht auch weiter, wenn kleine Kinder nicht essen möchten. Selbst dann, wenn es einen Grund für diese Appetitlosigkeit gibt, haben Eltern erst einmal das Bedürfnis, den Kindern etwas zu Essen zu geben.

Dabei werden sie besonders kreativ und nehmen auch Tipps aus der Umgebung an, die vielleicht gar nicht so viel Sinn ergeben. Sie verbauen das Gemüse in Soßen, verkaufen den Kindern Süßspeisen mit untergemischten Möhren oder Erbsen als eine Leckerei, spielen das Spiel mit dem Flugzeug und werden selbst zum Kasper am Tisch, um das Kind zum Lachen zu bringen und ihn das Essen in den Mund schieben zu können.

Dies alles lässt sich durch den Fütterungs-Instinkt erklären. Er wurde den Menschen mitgegeben, damit sie ihren Nachwuchs versorgen. Dabei wird aber oft außer Acht gelassen, dass schon kleine Kinder und selbst ein Baby über einen Überlebensinstinkt verfügen und dabei schon von selbst Interesse daran haben, zu essen.

Der Fütterungsinstinkt wurde den Menschen mitgegeben, damit sie ihren Nachwuchs versorgen. (#01)

Der Fütterungsinstinkt wurde den Menschen mitgegeben, damit sie ihren Nachwuchs versorgen. (#01)

Mein Kind isst nicht: Der Blick auf die Fakten

Wer vor dem Problem „Mein Kind isst nicht“ steht, der tut gut daran, erst einmal einen Blick auf die Fakten zu werfen. Oft zeigt sich diese Problematik bei Kleinkindern, da diese damit beginnen, ihren Körper kennenzulernen und zu zeigen, was sie möchten und was sie nicht möchten. Ein kindlicher Körper in einem Alter ab einem Jahr bis hin zu drei Jahren hat einen täglichen Kalorienbedarf von bis zu 1100 Kalorien. Diese wird das Kind auf verschiedenen Wegen in der Regel zu sich nehmen, wenn es Appetit verspürt. Das muss nicht unbedingt zu den Mahlzeiten sein. Eltern sollten das Essverhalten ihres Kindes den ganzen Tag beobachten.

Mein Kind isst nicht – wer dies immer nur bei den Mahlzeiten feststellt, der verpasst möglicherweise den Apfel oder den Keks, der zwischendurch in dem kleinen Mündchen verschwunden ist. Auch wenn das Kind in den Kindergarten geht, wissen Eltern meist gar nicht, was die Kinder hier gegessen haben.

Mein Kind isst nicht: Wann sollten sich Eltern wirklich Sorgen machen?

Sorgen sind dann berechtigt, wenn es dem Kind nicht mehr gut geht. Hat es über einen längeren Zeitraum nur sehr wenig oder gar keine Nahrung zu sich genommen, ist es blass und schwach, ständig müde und untergewichtig, dann ist der Zeitpunkt gekommen, an welchem die Sorge berechtigt ist. Es sollte ein Arzt aufgesucht werden. Die Appetitlosigkeit kann dann verschiedene Ursachen haben. Möglicherweise besteht ein Befall von Bakterien oder Viren im Magen-Darm-Trakt, vielleicht hat das Kind psychische Probleme. Eine Abklärung ist auf jeden Fall zu empfehlen. Dabei reicht es nicht aus, dem Arzt die Information: „Mein Kind isst nicht“, zu geben, sondern Eltern sollten für diesen Fall dokumentieren, wann und wie viel das Kind isst, das Gewicht und die Entwicklung des Gewichts kennen und auch das Verhalten beschreiben können. So kann der Arzt seine Diagnose einfacher stellen.

Eltern sollten für den Fall eines Arztbesuchs dokumentieren, wann und wie viel das Kind isst. (#02)

Eltern sollten für den Fall eines Arztbesuchs dokumentieren, wann und wie viel das Kind isst. (#02)

Kein Grund zur Sorge besteht dagegen, wenn das Kind zwar nur sehr wenig isst, dabei aber gesund bleibt, ein normales Gewicht hat und sich gut entwickelt. Dies ist der Punkt, bei dem Eltern teilweise entgeht, was ihr Kind tatsächlich zu sich nimmt. Zur Sicherheit der Eltern kann es sinnvoll sein, auch hier ein Protokoll zu führen. Dies sollte jedoch immer außerhalb des Wissens der Kinder passieren. Sonst kann dies zu großen Druck ausüben.

Die Problematik mit der Essstörung

Mein Kind isst nicht – wenn dieses Problem besteht, dann üben Eltern schnell Druck aus. Dies passiert nicht unbedingt bewusst. Es wird mit kleinen Erpressungen gearbeitet. Besonders beliebt ist der Hinweis, dass man dann ja auch keinen Nachtisch essen kann, wenn man nichts von der Hauptspeise zu sich nimmt. Abhängig vom Kind wird es entweder versuchen, sich das Essen hineinzuzwingen oder darauf verzichten und dann auch keinen Nachtisch bekommen. Damit sind die Grundlagen für eine Essstörung auch schon gelegt. Das Kind misst dem Essen eine so große Bedeutung bei, dass der eigene Alltag davon geprägt wird. Es fühlt sich unter Druck gesetzt, sucht nach Auswegen und verliert das Gefühl für den eigenen Körper.

Magersucht oder Bullimie (#03)

Magersucht oder Bullimie (#03)

Wird es älter, kann es passieren, dass es die Macht über seinen Körper zurückhaben möchte. Dies kann sich in einer Magersucht oder einer Bulimie äußern. Es kann jedoch auch passieren, dass Kinder, denen Essen immer wieder aufgedrängt wird, damit beginnen, gar kein Gefühl mehr für die Sättigung zu haben. Sie neigen dann zu einem starken Übergewicht.

Mein Kind isst nicht ist also ein Thema, das Eltern mit Vorsicht betrachten sollten. Sie legen den Grundstein für das Gefühl rund um das Essen.

Entspannte Mahlzeiten: So geht es

Besser ist es, dafür zu sorgen, dass die Mahlzeiten mit den Kindern möglichst entspannt und ruhig und ohne Druck verlaufen. Dafür gibt es einige Tipps:

  1. Denken wie das Kind
    Kinder möchten schon in jungen Jahren gerne viele Dinge selbst bestimmten. Das beginnt damit, dass Eltern ihren Kindern die Möglichkeit geben sollten, selbst zu entscheiden, wie viel sie essen möchten und was sie von dem essen möchten, das auf dem Tisch steht. Kinder können auch bereits in den Einkauf der Zutaten und die Zubereitung der Lebensmittel einbezogen werden.
  2. Gemeinsame Mahlzeiten
    Auch wenn der Alltag voll mit Terminen ist, sollten Eltern darauf achten, dass man gemeinsame Mahlzeiten zu sich nimmt. Dabei steht nicht das Essen im Vordergrund, sondern die gemeinsame Zeit. Das Essen ist nebensächlich, man zeigt jedoch seinen Kindern, dass man alles probieren kann.
  3. Lieber nachnehmen
    Dies ist ein Punkt, der oft schon von den eigenen Eltern gepredigt wurde und bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat. So sollte man beim Essen eher kleine Portionen nehmen und sich den Teller lieber zweimal füllen. Das gilt vor allem auch dann, wenn Eltern den Teller von ihrem Kind selbst füllen. Je nach Alter können Kinder noch nicht einschätzen, wie viel das ist, das sie sich auf den Teller tun. Dabei können Eltern helfen oder die Kinder machen lassen, sie dann aber nicht zum Aufessen zwingen.
  4. Dem Kind Vertrauen schenken
    Wer zum Arzt geht und sagt: „Mein Kind isst nicht“, der wird vermutlich auch den Hinweis bekommen, dass Kinder, die vor einem vollen Teller sitzen, in der Regel nicht Hunger leiden. Dies sollten Eltern sich tatsächlich zu Herzen nehmen. Wenn ein Kind Hunger hat, dann wird es essen. Wenn es keinen Hunger hat und später Appetit bekommt, wird es sich vertrauensvoll an die Eltern wenden. Diese sollten dann offen sein und nicht darauf verweisen, dass es ja gerade erst Mittag gegeben hat.

Bildnachweis: © Shutterstock-Titelbild: 5 second Studio, #01: Djelen, #02: Monkey Business Images, #03: tetsuu

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Über Iris Martin

Iris Martin, Jahrgang bleibt ein gut gehütetes Geheimnis, ist Mutter zweier Kinder. Rabauke 1 und Rabauke 2 sind Wunschkinder ersten Grades, treiben ihre Eltern regelmäßig an den Rand der Verzweiflung und wissen sie von dort mit einem lieblichen Augenaufschlag wieder wegzuholen. Iris ist derzeit mit ihren beiden Jungs zu Hause, genießt das Leben als Vollzeitmami und hält das Chaos so im Rahmen. Neuen Herausforderungen stellt sie sich dabei gerne – immer gut gewappnet mit dem Wissen, das nur aktiv agierende Eltern haben können.

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