In einer umfassenden Feldstudie prüfte das RWI mit 1.400 Teilnehmern den Einfluss von Newslettern zu Klimaschutz und vegetarischer Küche. Wenigfleischesser reduzierten während der viermonatigen Intervention und anschließend über zehn Monate ihren Konsum um 0,5 bis 0,75 Kilogramm pro Monat. Das entspricht einer Reduktion von 25 bis 33 Prozent. Die Langzeiteffekte hielten über 14 Monate an. Bei starken Fleischkonsumentinnen und -konsumenten zeigte sich keine signifikante Wirkung.
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E.ON Foundation förderte Studie zur nachhaltigen Reduktion von Fleischkonsum
Unter wissenschaftlicher Leitung und finanziert durch die E.ON Foundation wurde im Rahmen des Sozialökologischen Panels eine viermonatige randomisierte Studie mit 1.400 Fleischessern durchgeführt. Die Teilnehmern wurden in vier gleich große Gruppen verteilt: Newsletter zu Klimawandel-Fakten, vegetarische Rezepte samt Zubereitungshinweisen, eine Kombination beider Angebote oder komplett ohne Versand. Fünf Mal über einen Zeitraum von vierzehn Monaten füllten die Probandinnen und Probanden standardisierte Fragebögen aus, um ihren Fleischkonsum systematisch zu erfassen.
Studienteilnehmer mit niedrigem Fleischkonsum essen ein Drittel weniger monatlich
Ausgewählte Probanden, deren monatlicher Fleischverbrauch unter 3,5 Kilogramm lag, verzehrten vor Studieintritt durchschnittlich zwei Kilogramm. Während einer viermonatigen Intervention, bestehend aus Klimainformationen und vegetarischen Kochtipps, senkten sie ihren Verbrauch um 0,5 bis 0,75 Kilogramm pro Monat. Diese Abnahme entspricht einer relativen Reduktion zwischen 25 und über 33 Prozent und zeigt deutlich den positiven Effekt regelmäßiger Bildungsmaterialien auf das Ernährungsverhalten.
Eßer bestätigt vertiefte Reduktion noch lange nach Newsletter-Auslieferung erfolgreich
Die Untersuchungsergebnisse demonstrieren, dass die Verringerung des Fleischkonsums, initiiert durch die mehrmonatige Newsletter-Kampagne, nicht nur kurzfristig wirkte, sondern sich in der folgenden Nachbeobachtung weiter verstärkte. Im Gegensatz zu konventionellen Kurzzeitstudien, bei denen Reduktionen tendenziell nachlassen, offenbarte die zwölfmonatige Nachbeobachtungsphase zusätzliche Konsumänderungen. RWI-Ökonomin Jana Eßer betrachtet diesen Langzeiteffekt als starken Beleg für die nachhaltige Wirksamkeit von Informationsinterventionen.
Einfluss von Newslettern Vielesser mit hoher Fleischration bleibt gering
Im Untersuchungsdesign bestand eine Gruppe aus Vielessern mit einem monatlichen Fleischkonsum über 3,5 kg. Diese zeigten über die gesamten 14 Monate keinen signifikanten Rückgang; teilweise stieg ihr Verzehr an. Manuel Frondel, Umweltökonom am RWI, führt dies auf etablierte Gewohnheiten zurück, die Informationen aus Newslettern nicht durchdringen. Er stellt fest, dass zur Beeinflussung solcher starken Konsummuster weitergehende Maßnahmen wie ökonomische Anreize und regulatorische Eingriffe erforderlich sind, um einen wirklichen Wandel herbeizuführen.
Newsletter erreichen kaum starke Fleischesser oder reduzieren kaum Emissionen
Bei einer durchschnittlichen Reduzierung des monatlichen Fleischverzehrs um 0,17 Kilogramm pro Person resultiert eine jährliche Einsparung von etwa zehn Kilogramm CO?, was lediglich 0,1 Prozent der Pro-Kopf-Emissionen in Deutschland entspricht. Vor diesem Hintergrund betrachtet Manuel Frondel einzelne Newsletter-Verteiler als ineffektives Instrument des Klimaschutzes. Stattdessen plädiert er für breit angelegte politische Rahmensetzungen und Instrumente des Emissionshandels, um effizientere und nachhaltigere Anreize für Verhaltensänderungen zu generieren. Er betont die Bedeutung verbindlicher Ziele.
Politik mit EU-ETS in Agrarbereich setzt auf marktwirtschaftliche Ernährungssignale
Forscher kritisieren, dass Informationsangebote allein oft zu geringen Reduktionen des Fleischkonsums und niedrigen CO?-Einsparungen führen. Sie empfehlen deshalb die Einbindung von Landwirtschaft in das EU-Emissionshandelssystem, um ein effizientes Preisinstrument einzusetzen. Emissionszertifikate würden Emissionen aus Tierhaltung, Düngemitteleinsatz und Transport abdecken und in den Endverkaufspreis einfließen. Verbraucher erhielten somit deutliche Kostenunterschiede als Feedback über Umweltfolgen, was eigenständige Kaufentscheidungen ermöglicht. Dieses Instrument verbindet Umweltökonomie mit Verbraucherautonomie langfristige Nachhaltigkeit.
Flörchinger empfiehlt konkrete zusätzliche Impulse gegen hartnäckig hohen Fleischkonsum
Um intensive Fleischesser anzusprechen, schlägt Daniela Flörchinger über vegetarische Rezepte hinaus vor, ökonomische Anreize durch Subventionen und Bonusprogramme zu etablieren. Ferner seien praxisnahe Aktionsformate wie Pop-up-Kochstudios, Verkostungsevents und digitale Challenges notwendig. Ergänzende Kommunikationsstrategien mit Social-Proof-Effekten und personalisierte Follow-up-Coachings helfen, erste Hemmschwellen zu überwinden. Auf diese Weise kann man gewohnheitsbedingte Barrieren aufbrechen und dauerhaft eine Reduktion des Fleischkonsums bei hartnäckigen Zielgruppen erreichen.
Informationskampagnen erreichen aufgeschlossene Wenigesser, aber bislang kaum starke Fleischesser
Die Forschungsergebnisse des RWI belegen, dass eine Kombination aus Klimafakten und vegetarischen Rezepten per Newsletter dazu führt, dass Personen mit ohnehin niedrigem Fleischkonsum ihren Verbrauch langfristig reduzieren. Food-Enthusiasten schätzen die innovativen Zubereitungstipps, die Motivation und Vielfalt liefern. Die Studie hebt jedoch hervor, dass die Wirkung bei Vielverzehrern ausbleibt, und plädiert deshalb für ergänzende politische Maßnahmen, um auch hartnäckige Fleischliebhaber anzusprechen und die CO?-Einsparungen auf breiterer Basis zu stärken.

