Kinderwagen Test 2019: Welche Testergebnisse stimmen?

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Wie aussagekräftig ist ein Kinderwagen Test? Die Untersuchungen von Stiftung Warentest sind nicht immer verlässlich, wie diverse Vorfälle in der Vergangenheit zeigten.

Kinderwagen im Test: Muss „gut“ immer teuer sein?

Der Kinderwagen Test von Stiftung Warentest zeigte jüngst, dass ein Kinderwagenmodell keineswegs so viel kosten muss wie ein halber Kleinwagen. Preise von über 1000 Euro sind möglich, bei einigen Herstellern sogar üblich. Doch nötig sind sie nicht, denn auch günstige Wagen können praktisch und gut sein. Das zeigte zum Beispiel das getestete Modell „Hauck Saturn R Duo“, das schon für unter 400 Euro im Handel erhältlich ist. Eltern müssen allerdings wissen, was sie wollen und inwieweit sie Stiftung Warentest vertrauen wollen. Es kommt somit niemand umhin, selbst erst einmal Prioritäten festzulegen und diese mit den Ergebnissen der Testorganisation zu vergleichen, ehe der Kauf ansteht. Auch ein Ausprobieren im Ladengeschäft kann sinnvoll sein, selbst wenn das ausgewählte Modell dann online gekauft wird.

Übrigens hat es der „Bugaboo Donkey 2 Mono“, der im Handel ab 1183 Euro zu finden ist, nur auf den zehnten Platz im Test gebracht. Das zeigt bestens, dass „gut“ eben nicht gleich „teuer“ bedeutet und dass auch die Gleichung „günstig = minderwertig“ nicht immer aufgeht.

Kinderwagen im Test: die Handhabung spielt im Test eine Rolle.

Kinderwagen im Test: die Handhabung spielt im Test eine Rolle. (#01)

Das ist im Kinderwagen Test wichtig

Stiftung Warentest legt das Hauptaugenmerk auf das Thema Sicherheit. Kinder sollen sicher im Wagen gefahren werden können, dürfen sich nicht die Finger einklemmen oder anderen Verletzungsrisiken ausgesetzt sein. Dies ist gerade bei Kombikinderwagen, die vom normalen Kinderwagen auf einen Sportwagen bzw. Buggy umgebaut werden können, besonders wichtig. Zur Sicherheit gehört aber auch, dass keine schädlichen Stoffe im Wagen selbst oder in den Bezügen zu finden sind. Eltern ergänzen diesen Fakt durch die Wahl der richtigen Matratze: Diese gehört zum Wagen dazu, wird aber selten mitgeliefert und muss demzufolge separat erworben werden.

Auch die Handhabung spielt im Test eine Rolle: Lässt sich der Wagen leicht schieben? Sind die Bremsen leichtgängig und gut zu bedienen? Wie lässt sich das einzelne Modell drehen und wie einfach ist das Zusammenklappen des Wagens, wenn dieser zum Beispiel in den Kofferraum des Autos geladen werden muss? Die Handhabung bezieht sich auch auf den Sitz, sofern der Wagen umbaubar ist. Kann ein solcher Sitz mühelos installiert werden oder sind dazu Hilfsmittel und weitere Personen nötig?

Aus allen Kriterien, zu denen bei Stiftung Warentest noch mehr als die hier aufgeführten gehören, werden je nach Gewichtung der jeweiligen Aspekte Sieger und Verlierer gekürt. Welcher Kinderwagen der Testsieger sein wird, lässt sich damit vorab nicht einschätzen. Dennoch stehen die Untersuchungen von Stiftung Warentest in der Kritik.

Ergebnisse im Kinderwagen Test: Berechtigte Zweifel?

Stiftung Warentest gibt es seit über 50 Jahren und gilt als angesehene, unabhängige Institution, der viele Verbraucher regelrecht hörig sind. Hörig deshalb, weil die Testergebnisse kaum noch hinterfragt werden. Viele Verbraucher schauen sich vor dem Erwerb gerade hochpreisiger Produkte aktuelle Tests an und wählen ihre Wunschprodukte anhand der dargestellten Ergebnisse. Das kann für viele Hersteller nachteilig sein, denn nicht immer sind die Auswertungen wirklich reell. Es kann durchaus passieren, dass manche Einschränkungen bei einer Kaufempfehlung eher auf theoretischen Annahmen basieren. So geschehen bei einem Spielzeug der Firma „Gollnest & Kiesel“.

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Hier ging es um eine Schnullerkette, die angeblich krebserregende Bestandteile in einem Gummiteil enthalten sollte. Dieses würde aber nur in Kombination mit Nitrit reagieren. Das heißt, dass das Baby, das dieser „Gefahr“ ausgesetzt werden würde, Holzperlen zerbeißen müsste, um an das Gummiteil zu gelangen. Außerdem müsste es zeitlich viel Speichel produzieren und eine Scheibe Salami im Mund haben, wie Kritiker spöttisch meinen. Das ist sehr unwahrscheinlich! Insofern liegt hier ein durchaus theoretisches Urteil vor, das vom Erwerb dieser Schnullerketten abrät bzw. sogar aussagt, dass das Spielzeug das Baby gefährde.

Ähnliche Beispiele gibt es auch bei anderen Produkten und alle Fehlergebnisse kosten die Hersteller viel Geld. Sie nehmen das Produkt vom Markt, da es sich ohnehin nicht mehr gewinnbringend verkaufen ließe, und büßen somit hohe Summen ein. Ob sich das nun auf den Kinderwagen Test übertragen lässt oder nicht bzw. ob die Ergebnisse praktisch anwendbar sind, sei einmal dahingestellt. Sicher ist aber, dass es berechtigte Zweifel an so manchen Ergebnissen gibt und Stiftung Warentest bei Weitem nicht so uneingeschränkt richtige Ergebnisse liefert, wie bisher von den meisten Verbrauchern angenommen wurde.

Kinderwagen im Test: Preise für 12 ausgewählte Modelle

Die folgende Tabelle zeigt die von Stiftung Warentest getesteten Modelle der Kinderwagen:

Rang Modell Preis neu Erhältlich bei Preis gebraucht
1 Hauck Saturn R Duoset 399 Euro www.babyartikel.de ab ca. 190 Euro
2 ABC Design Salsa 4 700 Euro www.babyprofi.de ab ca. 250 Euro
3 Bugaboo Fox 900 Euro www.baby-walz.de ab ca. 800 Euro
4 Joolz Day 3 849 Euro www.babyonlineshop.de ab ca. 580 Euro
5 Joolz Geo 2 962 Euro www.babyprofi.de ab ca. 740 Euro
6 Kinderkraft Moov 260 Euro www.mytoys.de ab ca. 120 Euro
7 Cybex Priam 799 Euro www.baby-walz.de ab ca. 650 Euro
8 Peg Perego Ypsi Combo 395 Euro www.babymarkt.de ab ca. 350 Euro
9 ABC Design Zoom 580 Euro www.babyartikel.de ab ca. 225 Euro
10 ABC Design Zoom 1329 Euro www.bugaboo.com ab ca. 600 Euro
11 Froggy Magica 182 Euro www.amazon.de ab ca. 80 Euro
12 Babyone T-Light 299 Euro www.babyone.de ab ca. 125 Euro

Die angezeigten Preise sind nur beispielhaft zu sehen, denn sie differieren je nach Anbieter und können sogar innerhalb eines Tages schwanken. Am teuersten erweisen sich die Kinderwagen direkt beim Hersteller, dort können allerdings viele Modelle ganz individuell konfiguriert werden. Außerdem ist hier in der Regel gleich das passende Zubehör mit erhältlich. Neben den genannten Anbietern sind es natürlich die großen Shoppinganbieter wie eBay oder Amazon, die Kinderwagenmodelle auch aus den vorigen Saisons anbieten. Gebrauchte Modelle gibt es bei den Kleinanzeigen von eBay, aber auch www.mamikreisel.de oder www.quoka.de bieten unzählige Modelle an. Darüber hinaus können gebrauchte Kinderwagen auch bei den Baby- und Kinderausstattern mit eigenem Ladengeschäft sowie im Secondhand-Laden erworben werden.

Der im Test letztgenannte T-Light von Babyone wurde eigentlich aus dem Verkehr gezogen, ist aber teilweise immer noch erhältlich. In den Griffen für Kinder und Eltern fanden die Tester Benzo(ghi)perylen und das in einer Menge, die deutlich über die erlaubte Menge nach dem GS-Siegel hinaus ging. Der Hersteller zog das Modell zurück und bot überdies an, bereits gekaufte Kinderwagen zurückzunehmen.

Gebrauchte Modelle gibt es bei den Kleinanzeigen von eBay, aber auch www.mamikreisel.de oder www.quoka.de bieten unzählige Modelle an.

Gebrauchte Modelle gibt es bei den Kleinanzeigen von eBay, aber auch www.mamikreisel.de oder www.quoka.de bieten unzählige Modelle an. (#02)

Gebraucht oder neu kaufen: Was ist besser?

Ist ein neuer Kinderwagen immer besser? Auch wenn ein aktueller Test sagt, dass das betreffende Modell empfehlenswert ist, so gibt es doch auch aus vorigen Saisons günstigere Modellvarianten, die ebenfalls empfehlenswert sind, dafür aber deutlich günstiger erworben werden können. Ein Kauf muss nicht immer teuer sein und dennoch gibt es am Ende einen neuen Wagen. Wichtiger als aktuelle Ergebnisse sind Sicherheit, Handhabung und das Gefühl beim Fahren. Fährt sich der Wagen gut oder lässt seine Handhabung zu wünschen übrig? Ähnlich wie bei einem Auto kann es sein, dass der Wagen ein wenig nach einer Seite zieht und ein dauerhaftes (leichtes) Gegensteuern nötig ist. Das mag erst einmal nicht schlimm erscheinen, wird auf Dauer aber sehr anstrengend. Vor dem Kauf daher unbedingt ausprobieren!

Doch zurück zu der Frage, ob es eher ein neuer oder ein gebrauchter Kinderwagen sein soll. Jeder kann die Testergebnisse bei Stiftung Warentest kostenpflichtig nachlesen, sollte sich aber vorab Gedanken über die Anschaffung machen. Ein neuer Wagen hat viele Vorteile. Er ist noch nicht verschlissen bzw. hat keine Abnutzungsspuren vorzuweisen. Das bedeutet, dass Federn und Bremsen noch voll intakt sind und hier in puncto Sicherheit keinerlei Abstriche hingenommen werden müssen. Der Komfort für das Kind ist damit ebenfalls gegeben, was vor allem dann spürbar wird, wenn es über Stock und Stein geht, weil Mama und Papa gern Wald- und Feldwege zum Fahren nutzen.

Doch auch ein guter Gebrauchter muss nicht zwingend verschlissen sein und kann noch lange seinen Dienst verrichten. Ausschlaggebend ist dabei auch die Frage, ob der Wagen nur für ein Kind genutzt werden soll oder ob künftige Geschwisterkinder ebenfalls damit durch die Gegend fahren werden. In letzterem Fall ist ein neuer Wagen praktisch und empfehlenswert, denn seine Lebensdauer ist bei entsprechender Qualität beim Kauf einfach länger. Wer einen guten Gebrauchten finden möchte, sollte im Bekanntenkreis nach Angeboten schauen und die oben genannten Anlaufstellen nutzen. Und bitte vor dem Kauf unbedingt probieren, keine Blindkäufe tätigen!

Es ist ratsam, die infrage kommenden Kinderwagenmodelle im Vergleich zu betrachten.

Es ist ratsam, die infrage kommenden Kinderwagenmodelle im Vergleich zu betrachten. (#03)

Was ist wichtig beim Kauf eines Kinderwagens?

Test hin, Test her: Es gibt einige Punkte, die Eltern beim Kaufen eines Kinderwagens unbedingt beachten sollten:

  • Neu oder gebraucht?
    Diese Frage wurde eben geklärt und ist sicherlich neben den finanziellen Möglichkeiten auch von den persönlichen Vorstellungen der Eltern abhängig. Manch einer mag partout keinen gebrauchten Kinderwagen kaufen.
  • Größe
    Soll es ein Kinderwagen für nur ein Kind sein oder ein Geschwisterwagen wie der oben im Test genannte „ABC Design Zoom“? Wichtig ist dabei auch die Matratzengröße, denn einen gewissen Komfort sollte das Kind schon genießen können. Als praktisch und ausreichend hat sich eine Größe von 40 x 80 cm erwiesen, mit der aber nur wenige Kinderwagen aufwarten können. Doch mit ein wenig Suchen finden Eltern auch solche Größen. Vor allem bei Kombikinderwagen lohnt sich die Suche, denn diese fallen meist größer aus. Sie sind zum Sportwagen umbaubar und können entsprechend länger genutzt werden.
  • Tragetasche gewünscht?
    Wer im oberen Stockwerk wohnt, den Kinderwagen aber unten am Eingang stehen lassen möchte, wird sich über eine Tragetasche freuen. Darin kann der Nachwuchs einfach weiterschlafen und dennoch mit nach oben transportiert werden. Andererseits bietet die Tragetasche recht wenig Komfort und viele Kinder sind bereits im Alter von drei Monaten derartigen Taschen entwachsen.
  • Bequemer Sitz
    Kinder sollen einen gewissen Komfort beim Sitzen genießen können, denn im Buggy oder Sportwagen sitzen sie oft schon, auch wenn sie frei und ohne Unterstützung noch nicht sitzen könnten. Gut verstell- und anpassbare Anschnallgurte sowie ein Sitz in angenehmer Winkelung, der bestenfalls mehrfach verstellbar ist, sind wichtig.
  • Gewicht
    Der Wagen darf nicht zu schwer sein, wenn er auch einmal zusammengeklappt werden und in den Kofferraum befördert werden muss. Gleichzeitig eignet sich ein Leichtgewicht nicht für das Schlafenlassen der Kinder im Freien. Eltern müssen einen Kompromiss finden und wissen, ob sie mit dem Wagen nur fahren wollen oder ob er eher eine Art Bettersatz für das Kleine werden wird.

Es ist ratsam, die infrage kommenden Kinderwagenmodelle im Vergleich zu betrachten und dabei die persönlichen Präferenzen zu berücksichtigen, aber auch aktuelle Testergebnisse zurate zu ziehen.


Bildnachweis: © Shutterstock – Titelbild: Tyler Olson – #01: riekephotos – #02: Kzenon – #03: LightField Studios

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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