Strenge Eltern: Was ist das Beste für Kinder?

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Strenge Eltern sind der Ansicht, Erziehung komme nicht ohne klare Regeln, Verbote und – wenn nötig – auch Strafen aus. Doch: wie viel Strenge ist sinnvoll? Und welche Freiräume brauchen Kinder? Wir klären auf.

Strenge Eltern: Ist Bestrafung sinnvoll oder schädlich?

Wenn das Kind mal wieder etwas angestellt hat, kommen nicht wenige Erziehungsberechtigte in einen Gewissenskonflikt. Wie soll man denn nun angemessen darauf reagieren? Eher strenge Eltern, die Wert auf Verbote und Disziplin legen, neigen womöglich zu einer Bestrafung. Andere wiederrum tendieren eher zum anti-autoritären Erziehungsstil und werden dem Kind trotz allem auch künftig viel Freiraum lassen. Ohne Strenge und Bestrafungen. Und wieder andere wählen in ihrer Unsicherheit eine „Mischforrm“ aus autoritär und „laissez-faire“.

Das heißt: Sie reagieren mit Strenge, ja vielleicht auch mit einer Strafe („Ab ins Bett!“, „Eine Woche Fernsehverbot“ etc.). Doch dann setzt im Nachhinein das schlechte Gewissen ein und die Frage danach, ob das Kind nicht doch zu hart bestraft wurde. Die Folge ist häufig, dass künftig die gleichen Freiräume gewährt werden wie zuvor, evtl. auch um die übertriebene Bestrafung wieder „gut zu machen“. Doch wie sollte denn nun angemessen auf kindliches Fehlverhalten reagiert werden? Wie sinnvoll ist ein hohes Maß an Strenge? Und erziehen strenge Eltern ihre Kinder langfristig zu gefestigteren, zufriedeneren Menschen?

Klar scheint, dass in der Gesellschaft das Verständnis für allzu strenge Eltern meist nicht vorhanden ist. Die Rede ist von Eltern, die den Erziehungsstil aus „Omas Zeiten“ bemühen und nicht vor körperlicher Züchtigung zurückschrecken, wie etwa der – ihrer Ansicht nach – „guten alten Ohrfeige“. (#01)

Klar scheint, dass in der Gesellschaft das Verständnis für allzu strenge Eltern meist nicht vorhanden ist. Die Rede ist von Eltern, die den Erziehungsstil aus „Omas Zeiten“ bemühen und nicht vor körperlicher Züchtigung zurückschrecken, wie etwa der – ihrer Ansicht nach – „guten alten Ohrfeige“. (#01)

Strenge Eltern: Die traditionellen Züchtigungsmethoden

Klar scheint, dass in der Gesellschaft das Verständnis für allzu strenge Eltern meist nicht vorhanden ist. Die Rede ist von Eltern, die den Erziehungsstil aus „Omas Zeiten“ bemühen und nicht vor körperlicher Züchtigung zurückschrecken, wie etwa der – ihrer Ansicht nach – „guten alten Ohrfeige“. Und ein paar Klapse auf den Hintern, hätten ja ohnehin noch niemandem geschadet.

Viele Eltern, die entschieden gegen Härte und übertrieben eiserne Disziplin sind, halten es für völlig falsch, durch diese Art der Bestrafung das angestrebte Erziehungsziel zu erreichen. Eine Forsa-Umfrage von 2012 ergab, dass nur noch rund 10 Prozent der Erziehungsberechtigten, nach eigenen Angaben Ohrfeigen als Erziehungsmaßnahme bzw. Strafe, nutzen. (Quelle: www.fachstelle-kinderschutz.de).

Wenig überraschend, denn diese teils arg antiquiert wirkenden Erziehungsmethoden sind heftig umstritten und sogar der Gesetzgeber schützt die Schwächsten vor körperlicher Züchtigung. In BGB, §1631, heißt es: „Körperliche Bestrafungen […] und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“ Allerdings förderte eine 2012 durchgeführte, repräsentative Forsa-Umfrage auch ein überraschendes Ergebnis zu tage. Der Umfrage zufolge nutzen vier von zehn Eltern den Klaps auf den Po auch heute noch als Strafe. Ist ein gewisses Maß an Strenge damit also doch nötig?

Braucht es Strenge? Die Antwort scheint zu lauten: Ja, aber nur in gewissem Maße. Denn klar ist auch, dass Erziehung nicht ohne Regeln und auch Verbote auskommt. (#02)

Braucht es Strenge? Die Antwort scheint zu lauten: Ja, aber nur in gewissem Maße. Denn klar ist auch, dass Erziehung nicht ohne Regeln und auch Verbote auskommt. (#02)

Erziehung: Autoritär oder laissez-faire?

Braucht es Strenge? Die Antwort scheint zu lauten: Ja, aber nur in gewissem Maße. Denn klar ist auch, dass Erziehung nicht ohne Regeln und auch Verbote auskommt. Allerdings raten Experten, diese so sparsam als möglich einzusetzen. Durchweg sehr strenge Eltern neigen evtl. dazu, durch einen ganzen Maßnahmenkatalog aus Verboten, die Freiräume der Kleinen völlig zu beschneiden. Auch, wenn sie es nur gut meinen, das Kind vor Enttäuschung schützen wollen und angeben, nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln.

Ein völlig „grenzenloses“ Heranwachsen des Kindes innerhalb der Familie sowie große Passivität von Mama und Papa, führen bei den Kleinen jedoch oft zu Problemen im späteren Leben. Kinder, die nach der „laissez-faire“-Methode erzogen wurden, haben später nämlich häufiger Schwierigkeiten beim Aufbauen und Halten von Beziehungen zu Gleichaltrigen. Auch in der Schule oder im Berufsleben treten oft Anpassungsprobleme auf. Der Grund: Im früheren Leben haben die Kinder niemals Regeln kennengelernt und Grenzen aufgezeigt bekommen.

Strenge: Eltern sollten Verbote nicht zu früh einsetzen

Liegt dann die Wahrheit – wie so oft – in der goldenen Mitte? Eine Mischung aus den beiden „Extremen“, also „laissez-faire“ und einem autoritären Erziehungsstil, die womöglich als perfekter Erziehungsweg durchgeht und sich bei allen Kindern anwenden lässt? In einem Interview mit der Zeitschrift „Geo Wissen“ erklärte der Psychotherapeut Kurt Hahlweg, dass es eine solche Erziehungsmethode nicht gebe. Vielmehr beruhe Erziehung auf Werten und jede Familie müsse selbst einen individuellen Weg im Umgang miteinander und hinsichtlich des Zusammenlebens, finden. Und dieser Weg könne durchaus auch strenge Regeln und Verbote beinhalten.

Wichtig aber zu wissen: im Babyalter machen Verbote keinen Sinn. Babys verstehen weder den Inhalt noch den Sinn dieser Verbote. Zwar werden sie schon abgespeichert, aber nur im Kurzzeitgedächtnis. Zudem verstehen Kinder unter zwei Jahren Verbote oft als Kritik an der eigenen Person. Daher sollten sie nicht zu früh eingesetzt werden.

Video: Planet Wissen – Wie erziehe ich mein Kind?

Strenge Eltern: Ein „Trend zur Strenge“?

Im letzten Jahrzehnt schien der Ruf nach mehr Strenge, Disziplin und dem „Grenzen aufzeigen“ in der Erziehung, wieder deutlich lauter geworden zu sein. Ein Grund dafür: das Buch „Lob der Disziplin“, das sich 2006 zu einem Verkaufsrenner entwickelte – und wieder mehr Strenge von den Eltern forderte. Verfasst wurde das Werk vom Theologen und Pädagogen Bernhard Bueb, der 30 Jahr lang das Internat „Schule Schloss Salem“ leitete. In dieses Buch lies Bueb all sein Wissen und seine Erfahrung aus seiner langjährigen pädagogischen Tätigkeit, einfließen.

In seinem Buch forderte er von Erziehungsberechtigten, wieder mehr – wie es im Buch heißt –„Mut zur Erziehung“ aufzubringen. Autorität und Disziplin seien wieder in der „pädagogischen Kultur“ zu etablieren. Und: Kinder bräuchten ein hohes Maß an Gehorsam und Ordnung auf dem Weg „zu innerer Freiheit“, so Bueb. Strenge Eltern, die auch vor Befehlen und Strafen nicht zurückschrecken, könnten diese innere Freiheit beim Nachwuchs verlässlich erreichen. Das Buch war medial omnipräsent und es gab daraufhin unzählige Diskussionsrunden im TV. Auch, weil die kritischen Stimmen nach der Veröffentlichung, natürlich nicht lange auf sich warten ließen.

Video: 10 schlimmsten Fehler der Kindererziehung | Kinder richtig erziehen in der trotzphase

So wichtig wie Strenge: Eltern müssen für Klarheit sorgen

Dabei gibt es Elemente und Instrumente in der Erziehung, die mindestens so wichtig sind wie der Grad der Strenge. Ein wichtiger Punkt: Klarheit. Einige Eltern machen den Fehler, ihr Kind in der „Frageform“ zu erziehen. Das heißt, dass sie das Kind die meisten Entscheidungen selbst treffen lassen. Beispiele hierfür wären: „Glaubst du nicht, du hast genug Fern gesehen?“ „Gehen wir heute Nachmittag vielleicht mal auf den Spielplatz?“ „Willst du heute ausnahmsweise mal Gemüse als Beilage, statt der Pommes?“ etc.

Diese Form der Erziehung ist ungeeignet, denn die Kleinen sind damit überfordert und schlicht noch nicht in dem Alter, ständig selbstständig Entscheidungen zu fällen. Eine Familie, die sich für diese Form des Zusammenlebens entschieden hat, sollte den Schwerpunkt auf Klarheit und feste, eindeutige Aussagen sowie Tagesabläufe legen. Und dies ist und bleibt Aufgabe der Eltern.

Wichtig sind klare Ansagen und dass sich Eltern nicht von den Kindern den Tag bestimmen lassen. Genau andersherum muss es sein. Entscheidend ist ein fester, unerschütterlicher Standpunkt der Eltern, der nicht angezweifelt wird. Dann fällt es den Sprösslingen auch leichter, später im Leben eigene solche Standpunkte zu finden.

Wider besseres Wissens versuchen manche Erziehungsberechtigte, ihren Nachwuchs absolut gleichberechtigt zu erziehen. Ihre Hoffnung: den Kindern damit die Möglichkeit zu geben, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, eine „Ebenbürtigkeit“ und eine faire Basis für Diskussionen zu schaffen. (#03)

Wider besseres Wissens versuchen manche Erziehungsberechtigte, ihren Nachwuchs absolut gleichberechtigt zu erziehen. Ihre Hoffnung: den Kindern damit die Möglichkeit zu geben, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, eine „Ebenbürtigkeit“ und eine faire Basis für Diskussionen zu schaffen. (#03)

Gleichberechtigung zwischen Eltern und Kind?

Wider besseres Wissens versuchen manche Erziehungsberechtigte, ihren Nachwuchs absolut gleichberechtigt zu erziehen. Ihre Hoffnung: den Kindern damit die Möglichkeit zu geben, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, eine „Ebenbürtigkeit“ und eine faire Basis für Diskussionen zu schaffen. Im alltäglichen Leben zu Hause kann dies allerdings nicht funktionieren.

Denn Gleichberechtigung zwischen Eltern und ihren Sprösslingen kann schlicht nicht existieren. Damit würde man den Kleinen eine ebensolche Verantwortung fürs Leben aufbürden, wie sie die Erwachsenen tragen. Gleichberechtigung würde nämlich bedeuten, dass die Kleinen ebensolche Aufgaben und Pflichten wahrzunehmen hätten, wie Mama und Papa. Sie können somit nicht den Eltern gleichgestellt sein. Allein Eltern sind es, die die Verantwortung tragen.

Dasselbe gilt für Entscheidungen, die im alltäglichen Leben miteinander zu treffen sind. Zu begrüßen ist es allemal, wenn in den eigenen vier Wänden eine umtriebige Diskussionskultur besteht. (#04)

Dasselbe gilt für Entscheidungen, die im alltäglichen Leben miteinander zu treffen sind. Zu begrüßen ist es allemal, wenn in den eigenen vier Wänden eine umtriebige Diskussionskultur besteht. (#04)

Mitreden ja, Bestimmen nein

Dasselbe gilt für Entscheidungen, die im alltäglichen Leben miteinander zu treffen sind. Zu begrüßen ist es allemal, wenn in den eigenen vier Wänden eine umtriebige Diskussionskultur besteht. Und wenn alle Mitglieder der Familie – gleichberechtigt – mitdiskutieren dürfen, falls es etwas zu besprechen gibt. Erziehungsberechtigte die eine besondere Strenge in der Erziehung für wichtig halten, können es dabei oft nicht nachvollziehen wenn in manchen Familien schon die Allerkleinsten nach ihrer Meinung gefragt werden. Sie sind der Ansicht, dass es keine (allzu ausgiebigen) Diskussionen geben dürfe, z.B. weil man sonst ja nie zum Ergebnis komme.

Doch es ist gerade wichtig, dass die Sprösslinge auch mitreden dürfen und angehört werden. Dann fühlen sie sich wertgeschätzt und ernst genommen. Allerdings sollten dann die Zügel nicht aus der Hand gegeben werden. Und zwar wenn es ans Bestimmen geht. Mama und Papa sollten immer so mutig sein und stets dazu tendieren, der Bestimmer zu sein. Auch wenn es mitunter schwer fällt. Die Eltern sagen wo es langgeht, nicht der Nachwuchs.

Grenzen und Regeln werden dann von Kindern am ehesten akzeptiert, wenn Mama und Papa wohlüberlegt, bewusst und vernünftig damit umgehen. (#05)

Grenzen und Regeln werden dann von Kindern am ehesten akzeptiert, wenn Mama und Papa wohlüberlegt, bewusst und vernünftig damit umgehen. (#05)

Grenzen sind wichtig für Strenge

Zum Alltag in der Erziehung gehört es, Grenzen zu setzen. Dies sollte unbedingter Teil jedes Zusammenlebens einer Familie sein. Viele Erziehungsberechtigte sehen in ihnen aber nur ein wichtiges Instrument, eine gewisse Härte und Disziplin in die Erziehung zu bringen. Allerdings schränken Grenzen nicht nur ein. Auch sollte ihnen nicht immer etwas Negatives bzw. ein unangenehmes Gefühl, anhaften. Vielmehr sorgen sie für Sicherheit und Orientierung und geben den Kindern eine Richtschnur fürs eigene Verhalten vor. Aber: Eltern sollten wissen, wie sie richtig mit Grenzen und Regeln umgehen sowie diese auch überlegt einsetzen.

Grenzen und Regeln werden dann von Kindern am ehesten akzeptiert, wenn Mama und Papa wohlüberlegt, bewusst und vernünftig damit umgehen. Dazu gehören vor allem zwei Dinge. Erstens: deutlich aussprechen und klar formulieren, was vom Kind verlangt wird. Zweitens: dem Kind genau erläutern, wieso es dieses oder jenes tun bzw. unterlassen soll. Die Klarheit und die Erklärung gehen Hand und Hand und sind allemal sinnvoller als strenge Verbote, die – ohne Erklärung – einfach ausgesprochen werden.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Julia Kuznetsova -#01:  Monkey Business Images -#02:  Iakov Filimonov -#03: Robert Kneschke -#04:  Syda Productions -#05:  Gladskikh Tatiana

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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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