Ordnung im Jugendzimmer halten: 10 Tipps für Eltern

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In der Pubertät werden die Eltern anstrengend, immer gibt es was zu meckern und zu nörgeln – so die hinreichend bekannte Aussage vieler Jugendlicher. Psychologen sträuben sich angesichts der Drohungen vieler Eltern die Nackenhaare. Dabei bringt das alles nichts, wie das Chaos in den Jugendzimmern beweist.

Ordnung hält nur der Dumme?

Gibt es tatsächlich einen Jugendlichen, der Albert Einsteins Zitat nicht kennt und somit nicht weiß, dass das Genie das Chaos beherrscht? Den meisten Eltern pubertierender Jugendlicher dürfte der entsprechende Spruch schon einmal entgegengeschleudert worden sein. Hilfreich ist das allerdings nicht, denn auch das Genie zertrampelt die teuren CDs auf dem Boden, stolpert über die liegen gebliebene Schultasche und vermisst zum hundertsten Mal ein wichtiges Arbeitsblatt in der Schule.

Selbst schuld?

Keineswegs, denn die meisten Jugendlichen sehen ihr Zimmer nicht als zu chaotisch an, sondern flüchten sich in philosophische Ausreden und Einsteins Zitat. Für Eltern ist die Grenze meist dann überschritten, wenn es im Zimmer der Tochter oder des Sohnes anfängt, seltsam zu müffeln, wenn keine Kleidung mehr im Korb mit der Schmutzwäsche auftaucht und wenn sich die Schule über fehlende Arbeitsmittel beschwert.

Es gilt also, rechtzeitig einzugreifen. Doch: Wie greift jemand am besten ein, der immer gesagt bekommt, er solle sich raushalten? Selbst aufräumen ist keine Lösung, denn das Zimmer des Nachwuchses ist sein eigenes Reich, in dem er auch klarkommen muss und das nicht ohne Weiteres angetastet werden darf. Wenn alles nichts hilft und auch der dezente Hinweis, dass es in einem Teil des Hauses (= im Zimmer des Kindes) riecht, als würde ein totes Tier darin vergraben sein, nichts bringt, müssen andere Geschütze aufgefahren werden. Im Folgenden geben wir einige Tipps und Denkanstöße, die das Zusammenleben mit dem Nachwuchs eventuell wieder etwas erleichtern und die zumindest etwas Ordnung entstehen lassen.

Ordnung im Jugendzimmer halten: Wie greift jemand am besten ein, der immer gesagt bekommt, er solle sich raushalten? (#01)

Ordnung im Jugendzimmer halten: Wie greift jemand am besten ein, der immer gesagt bekommt, er solle sich raushalten? (#01)

1. Das Chaos einschätzen lernen

Sie sollten wissen, wo Ihre eigene Grenze ist. Möchten Sie Ihr Haus tatsächlich komplett aufgeräumt haben oder fangen Sie an zu schimpfen, wenn Sie wieder einmal über irgendetwas gestolpert sind, was dort nicht hingehört? Sagen Sie Ihrem Kind, wie weit Ihre Grenze reicht und dass Sie gern ohne Unfälle von der Tür bis zum Fenster in seinem Zimmer gelangen möchten.

Seien Sie dabei realistisch und gehen Sie davon aus, dass der Raum nie wirklich ordentlich sein wird – zumindest dann nicht, wenn Ihr Verständnis von Ordnung derart ausgeprägt ist, dass nichts auf dem Boden liegen darf. Außerdem – vielleicht waren Sie als Jugendlicher genauso? Und als Erwachsener, wie sieht es jetzt aus? Solange Ihr Schreibtisch oder ein anderer Teil des Hauses im Chaos versinkt, dürfen Sie keine bessere Situation bei Ihrem Nachwuchs erwarten.

2. Für passende Möbel sorgen

Kein Kind oder Jugendlicher kann Ordnung halten, wenn kein Stauraum vorhanden ist. Ins Jugendzimmer gehören daher nicht nur das passende Bett und der Kleiderschrank, sondern es müssen auch Truhen oder Kommoden vorhanden sein. Möglichst mit geschlossener Front, sodass hier nicht auch noch penibel auf Ordnung geachtet werden muss! Ob Sie sich nun für ein Komplettset entscheiden oder die Möbel einzeln zusammenstellen, bleibt Ihren Wünschen und denen des Kindes überlassen. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass Ordnung mit den passenden Jugendmöbeln deutlich einfacher umzusetzen ist.

Ins Jugendzimmer gehören nicht nur das passende Bett und der Kleiderschrank, sondern es müssen auch Truhen oder Kommoden vorhanden sein. (#02)

Ins Jugendzimmer gehören nicht nur das passende Bett und der Kleiderschrank, sondern es müssen auch Truhen oder Kommoden vorhanden sein. (#02)

3. Wie sieht das Kind das Chaos?

Eigentlich dürfen wir an dieser Stelle nicht vom „Kind“ sprechen, denn ein Jugendlicher will sich nicht als solches sehen oder bezeichnet wissen! Angesichts der Unordnung in dessen Zimmer bleibt jedoch anzunehmen, dass sich zumindest der Ordnungssinn nicht weiterentwickelt hat. Das ist jedoch völlig normal, denn mit der Pubertät wachsen auch die eigenen Strukturen, das Denken wird ein anderes und der Nachwuchs will eigene Wege für sich finden und definieren. Und wenn es sich dabei um so etwas Profanes wie das Ordnung halten dreht – irgendwo muss der kindliche Abnabelungsprozess ansetzen.

Meist wird Ihr Sohn oder Ihre Tochter das Durcheinander daher ganz anders einschätzen und solange es scheinbar möglich ist, hier noch die Schulmaterialien zu finden, schmutzige Wäsche auszusortieren und solange kein Essen versteckt im Raum vergammelt – sehen Sie darüber hinweg und lassen Sie Ihren Nachwuchs selbst zu dem Schluss kommen, dass es zu unordentlich im Zimmer ist. Oder auch nicht – siehe Punkt 1!

4. Prioritäten setzen

Viele Eltern arbeiten bei der Erziehung mit einer Art Erpressung: „Wenn du nicht …, dann …“ – So etwas ist schon den Kleinkindern bekannt und meist funktioniert das auch ganz gut. Doch wenn die Kinder älter werden, lassen sie sich weniger gut erpressen und leben eben mit den Konsequenzen. Wobei wir zugeben müssen, dass diese doch auch meist gar nicht bestanden haben – warum sie jetzt also fürchten?

Oder haben Sie tatsächlich die Mülltonne ins Zimmer gerollt und alles,
was das Kind nicht vom Boden räumen wollte, weggeworfen?

Nein, klammheimlich haben wir alle selbst Ordnung gemacht und so war die Welt wieder okay. Sollten Sie Jugendlichen daher mit einer solchen Drohung kommen, müssen Sie diese auch wahr machen, wenn Sie ernst genommen werden wollen! Überlegen Sie also gut, welche Prioritäten Sie setzen und wie Sie diese umsetzen möchten bzw. mit welchen Mitteln.

Gehen Sie konsequent vor, wenn

  • Arbeitsmaterialien nicht mehr auffindbar sind
  • das Kind ständig abgelenkt ist
  • Termine vergessen werden
  • die Schulnoten leiden

Ansonsten vertrauen Sie darauf, dass Sie einfach ein anderes Verständnis von Ordnung haben und dass Ihre Erziehung bisher hoffentlich nicht ganz und gar in Vergessenheit geraten ist. Sehen Sie ein, dass Ihre Prioritäten anders gelagert sind und einigen Sie sich vor der Durchführung von Konsequenzen mit Ihrem Nachwuchs auf mögliche Folgen.

Ordnung im Jugendzimmer halten: Gehen Sie konsequent vor, wenn Arbeitsmaterialien nicht mehr auffindbar sind. (#03)

Ordnung im Jugendzimmer halten: Gehen Sie konsequent vor, wenn Arbeitsmaterialien nicht mehr auffindbar sind. (#03)

5. Das Zimmer unterteilen

Haben Sie gemeinsam entschieden, dass ein Hinnehmen des Durcheinanders nicht mehr möglich ist, finden Sie auch gemeinsam Lösungen. Eine davon besteht in der Trennung von Arbeits- und Entspannungsbereich. Das hat den Vorteil, dass der Arbeitsbereich nicht mit all den Dingen zugepflastert wird, die Ihr jugendlicher Nachwuchs in der Freizeit braucht. Der Schreibtisch muss aufgeräumt und ordentlich sein, denn im Chaos arbeitet es sich nachweislich schlechter. Ob das Kind dann zum Lernen auf dem Bett lümmelt, in der Entspannungsecke sitzt oder ganz vorschriftsmäßig am Schreibtisch arbeitet, bleibt ihm überlassen.

Arbeits- und Entspannungsecke sollten Sie aber keinesfalls vorschreiben, richten Sie diese gemeinsam mit dem Kind ein! Nur dann wird es die Trennung auch akzeptieren und – mit ein wenig Glück – auch im Alltag beibehalten. Falls nötig, schaffen Sie dafür neue Möbel an, denn vielen Jugendlichen fällt es leichter, in einem coolen Zimmer Ordnung zu halten. Machen Sie dem Kind dafür auch klar, dass es vor den Hausaufgaben aufräumen muss, wenn auch nur den Arbeitsplatz. Wer diesen nun wirklich nur zum Arbeiten nimmt, kommt eher um die lästige Aufräumerei herum.

Ordnung im Jugendzimmer halten: Der Jugendliche muss sich wohlfühlen. (#04)

Ordnung im Jugendzimmer halten: Der Jugendliche muss sich wohlfühlen. (#04)

6. Der Jugendliche muss sich wohlfühlen

Jugendliche wollen sich gern wohlfühlen, denn nur dann kann ihr Gehirn auch leistungsfähig arbeiten. Schaffen Sie gemeinsam mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter eine Lernumgebung, in der es gern ist, in der es sich entspannen kann. Der gesamte Lernprozess wird effektiver ablaufen, wenn sich das Gehirn konzentrieren kann. Das wiederum geht nur, wenn keine Ablenkungen vorhanden sind. Ergo: Wir sind wieder bei Tipp Nr. 5, der eine Trennung von Arbeits- und Freizeitbereich vorschlug.

Wichtig ist jedoch, dass Ihr Kind mitentscheiden sollte, wie das Zimmer eingerichtet wird und welche Möbel es an welcher Stelle haben möchte. Setzen Sie ein wenig handwerkliches Geschick, Farbe und Pflanzen ein, somit führt eine völlige Umgestaltung nicht gleich zur Kostenexplosion.

7. Gemeinsame Regeln aufstellen

Stellen Sie Regeln immer nur gemeinsam mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter auf. Diese werden nachweislich besser eingehalten, wenn die Jugendlichen aktiv an ihrer Aufstellung mitwirken durften. Das heißt, wenn es um Aufräumintervalle und freizulassende Durchgänge im Zimmer geht, sollten der Nachwuchs an den Regeln beteiligt werden. Der Jugendliche darf hier selbst Vorschläge machen, muss sich dann aber an die eigenen Regeln halten. Vereinbaren Sie auch, was passiert, wenn diese Regeln gebrochen werden. Welche Konsequenzen sind zu befürchten? „Leere“ Regeln interessieren nach dem ersten Bruch niemanden mehr!

8. Mindestmaße vereinbaren

Besprechen Sie mit dem Nachwuchs das Chaos-Problem. Wie weit darf das Durcheinander reichen? Wo ist Ihr persönlicher Bereich, der nicht angetastet werden darf bzw. der nicht vermüllt wird? Gemeinsam genutzte Räume müssen ordentlich bleiben und wer hier etwas durcheinanderbringt, muss auch für Ordnung sorgen. Damit kommen die meisten Jugendlichen klar und halten sich daran, wenn dafür ihr eigenes Zimmer unangetastet bleibt.

9. Durchgänge freilassen

Vereinbaren Sie mit Ihrem Sohn oder mit der Tochter, dass zumindest der Durchgang zum Fenster freibleiben muss. Sie müssen zum Lüften dorthin oder werden das Kind an jedem Morgen nötigen, das Fenster selbst zu öffnen und sich einen Weg quer durch das Chaos zu bahnen. Auch das Fensterputzen übernimmt der Nachwuchs selbstverständlich selbst – konfrontiert mit solchen Aussichten, schieben die meisten Kinder freiwillig einen Weg von der Tür bis zum Fenster frei. Wobei es sich lohnt, das Schieben gemeinsam vorzunehmen und darauf zu dringen, die zur Seite beförderten Sachen gleich an Ort und Stelle zu räumen.

Ordnung im Jugendzimmer halten: Vereinbaren Sie mit Ihrem Sohn oder mit der Tochter, dass zumindest der Durchgang zum Fenster freibleiben muss. (#05)

Ordnung im Jugendzimmer halten: Vereinbaren Sie mit Ihrem Sohn oder mit der Tochter, dass zumindest der Durchgang zum Fenster freibleiben muss. (#05)

10. Eigenen Schaden vermeiden

Die meisten Dinge und Vereinbarungen funktionieren nur, wenn das Kind selbst dahintersteht. Genau das erreichen Sie, wenn Sie dem Nachwuchs klarmachen können, dass es sich nur selbst schadet, wenn das Chaos allzu groß ist. Sollte es also nachts auf dem Weg zur Toilette stolpern und sich am nächsten Tag über den blauen Fleck am Bein beschweren – Pech gehabt.

Findet es den Geruch im Zimmer furchtbar oder bekommt es eine schlechte Note, weil es wieder einmal die Arbeitsmaterialien vergessen hat – ebenfalls Pech. Hier gilt es, den passenden Zeitpunkt für eine Standpauke abzuwarten – bei der Sie übrigens auch einmal verbal explodieren dürfen! – und auf die Einsicht des Kindes zu hoffen, dass es sich mit seinem Chaos nur selbst schadet.


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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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