Lebensversicherung Nabelschnurblut: Fakten und Vorteile von Stammzellen

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Bei werdenden Eltern sind Stammzellen aus Nabelschnurblut mittlerweile ein viel diskutiertes Thema, denn immer mehr Paare stellen sich die Fragen: Einlagern: Ja oder nein? Private Vorsorge oder öffentliche Spende?

Es gibt darauf keine schnellen Antworten. Tatsache ist: Die Stammzellen lassen sich direkt nach der Geburt entnehmen und über Jahrzehnte einfrieren. Diese Gelegenheit kommt leider nie wieder. Private Stammzellbanken raten zur Einlagerung für den Eigenbedarf, da das Potenzial der sogenannten Alleskönnerzellen im Hinblick auf künftige Heilungsmethoden enorm sei. Doch was kann Nabelschnurblut bei Erkrankungen des Kindes tatsächlich leisten? Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengefasst.

Über die Folgen die Kosten, die Vorteile einer Stammzellenblutentnahme sollte man sich eingehend informieren

Über die Folgen die Kosten, die Vorteile einer Stammzellenblutentnahme sollte man sich eingehend informieren (#01)

Fakten zu Stammzellen aus Nabelschnurblut

Im Vergleich zu embryonalen Stammzellen ist die Entnahme und Verwendung von Nabelschnurblut-Stammzellen ethisch unbedenklich. Die wertvollen Zellen lassen sich für Mutter und Kind völlig schmerzfrei sichern. Das Blut wird direkt nach der Geburt aus der Nabelschnur entnommen und in einem Blutbeutel aufgefangen. Damit unterscheidet sich die Prozedur von der Gewinnung von Stammzellen aus dem Knochenmark.

Für Mutter und Kind bestehen bei der Entnahme der neonatalen Stammzellen, wie die Stammzellen aus der Nabelschnur in der Fachsprache auch bezeichnet werden, keinerlei gesundheitliche Risiken. Hinzu kommt, dass es sich bei Stammzellen aus der Nabelschnur um die jüngsten, adulten Stammzellen handelt. Sie sind in der Regel frei von Viren, was einen weiteren Vorteil zu Knochenmarkstammzellen darstellt. Denn Stammzellen altern mit dem Menschen. Umwelteinflüsse wie Strahlung oder Chemikalien können auch ihr Erbgut verändern.

Spendet zum Beispiel ein 35 Jahre alter Mann Stammzellen aus dem Knochenmark, weisen diese Stammzellen gleichermaßen das Alter auf. Im Vergleich zu den jungen Alleskönnerzellen aus der Nabelschnur sind die gealterten Stammzellen weniger leistungs- und teilungsfähig. Die Nabelschnurblut-Stammzellen sind außerdem multipotent, d. h. sie können sich in eine Vielzahl von Geweben ausdifferenzieren.

Alle Vorteile der Stammzellen aus Nabelschnurblut gegenüber embryonalen sowie adulten Stammzellen aus Knochenmark, finden Sie in der folgenden Tabelle auf einen Blick. Die Übersicht wurde in einem informativen Ratgeber zu Stammzellen aus der Nabelschnur der privaten Stammzellbank Vita 34 online veröffentlicht:

Was können die Stammzellen aus der Nabelschnur?

Was können die Stammzellen aus der Nabelschnur?

Um die wertvollen Stammzellen haltbar zu machen, werden sie durch die sogenannte Kryokonservierung bei rund -190°C eingelagert. „Unter Kryokonservierung versteht man das Tiefgefrieren von biologischem Material (meist Körperzellen) in flüssigem Stickstoff“, heißt es im Lexikon der Onlineplattform der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Thema Familienplanung. Vor der Einlagerung bei einer Nabelschnurblutbank erfolgt die gründliche Untersuchung der Stammzellen. Nur einwandfreie Depots mit ausreichender Blutmenge werden letztlich eingelagert.

Insbesondere Erkrankungen des Immunsystems wie beispielsweise das vererbte Whiskott-Aldrich-Syndrom oder Blutkrebs lassen sich mit Hilfe der Nabelschnur-Stammzellen behandeln. Für leukämiekranke Kinder können die Stammzellen lebensrettend sein, da die Suche nach einem passenden Spender mit aufwändigen und langwierigen Typisierungsaktionen entfällt. Stammzellen aus der Nabelschnur stehen unmittelbar zur Verfügung. In der Regel sind die neonatalen Stammzellen sehr flexibel, sodass es seltener zu Abstoßungsreaktionen kommt. Bei den eigenen Stammzellen sind Unverträglichkeiten kaum zu erwarten.

Das Problem bei kleinen Leukämie-Patienten ist allerdings, dass das eigene Nabelschnurblut nicht immer die Lösung ist. Bricht der Krebs schon im Kleinkindalter aus, vermuten Wissenschaftler, dass die Vorschädigung des Erbguts bereits im Mutterleib angelegt sein könnte und deswegen auch die Nabelschnurblut-Stammzellen diesen Defekt aufweisen.

Ein klärendes Gespräch mit dem Arzt hilft bei der Entscheidung Stammzellenblut, ja oder nein?

Ein klärendes Gespräch mit dem Arzt hilft bei der Entscheidung Stammzellenblut, ja oder nein? (#02)

Würden Ärzte nach erfolgreicher Chemotherapie und Bestrahlung die eigenen Nabelschnurblut-Stammzellen dem Organismus wieder zuführen, ist das Risiko eines Rückfalls um vieles größer. Von daher setzen die Mediziner hier in der Regel auf Spender-Stammzellen – beispielsweise von einem Geschwisterkind. Dieses Vorgehen ist für viele Kritiker das Argument, dass die Einlagerung für den Eigenbedarf derzeit keinen Sinn macht.

Doch ein Blick in die Medizin der Zukunft verdeutlicht, dass die Stammzellen enormes Potenzial haben und kein seriöser Arzt heute sagen kann, welche therapeutischen Möglichkeiten damit künftig zur Verfügung stehen werden. Forscher arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung neuer, individueller Therapien für eine Vielzahl bislang unheilbarer Krankheiten. Experten schätzen, dass in Zukunft jeder siebte Mensch im Laufe seines Lebens eine Stammzelltherapie benötigen könnte. Die Alleskönnerzellen werden heute bereits neben Leukämie auch bei anderen Krebsarten sowie schweren Verbrennungen der Haut oder kindlichen Hirnschäden erfolgreich eingesetzt. Derzeit laufen erste klinische Studien mit den Hoffnungsträgern außerdem bei:

  • Autismus
  • Diabetes Typ 1
  • Alzheimer
  • Leberschäden
  • Parkinson
  • Hirnschäden – ausgelöst durch Krebs, Unfall oder Schlaganfall
  • Herzinfarkt

Was kostet die Einlagerung und welche Alternativen gibt es?

frischgeborenes Baby: Jetzt sollten die Eltern schon eine Entscheidung getroffen haben

Ein Neugeborenes: Jetzt sollten die Eltern schon eine Entscheidung getroffen haben (#03)

Mit rund 1.500 bis 3.000 Euro müssen Eltern für die Kryokonservierung des Nabelschnurblutes für den Eigenbedarf rechnen. Die exakten Preise hängen jedoch von der gewählten Stammzellbank und der Dauer der Einlagerung ab. Aufgrund des hohen Potenzials sollten neonatale Stammzellen aber auch dann entnommen werden, wenn Eltern die Kosten für die Einlagerung nicht aufbringen möchten.

Denn zur privaten Vorsorge gibt es eine sinnvolle Alternative: Die Spende. Eltern können die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut ihres Kindes kostenlos entnehmen lassen, wenn sie sich für das Spenden an eine öffentliche Stammzellbanken entscheiden. Zwar stehen die Stammzellen dann im Ernstfall nicht für das eigene Kind zur Verfügung, stattdessen retten sie einem anderen Menschen das Leben. Sobald ein geeigneter Empfänger gefunden ist, erhält dieser die Stammzellen.

Beispielsweise profitieren viele Krebspatienten von den Nabelschnurblut-Stammzellen. Aber auch zu Forschungszwecken können Eltern das Nabelschnurblut kostenfrei bereitstellen. Das fördert die Entwicklung neuer Therapieformen und ist damit ein nicht zu unterschätzender Beitrag für die Medizin der Zukunft.


Bildernachweis© psdesign1-#01: mrallen#02: stokkete#03:arztsamui

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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