Fremde Tiere: Vom richtigen Umgang und Regeln für Kinder

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„Keine Angst, der will nur spielen!“ Diesen Satz haben bestimmt schon viele Eltern gehört, doch leider stimmt er nicht immer. Fremde Tiere und Kinder,  hier ist im Umgang höchste Vorsicht geboten.

Fremde Tiere und kleine Kinder

Gerade die kleinen Kinder schätzen Situationen häufig noch nicht richtig ein. Besonders beim Umgang mit fremden Tieren kann das schnell gefährlich werden. Um das Kind bestmöglich auf verschiedene Tiere und den Umgang mit ihnen vorzubereiten, helfen nur die nötigen Informationen.

Denn wer informiert ist, verhält sich im Zweifel in einer brenzligen Situation eher richtig. Und das ist bitter nötig: Laut Angaben der Haftpflichtversicherungen in Deutschland kommt es pro Jahr zu mehr als 30.000 Fällen, in denen Personen durch einen Biss durch ein Tier verletzt werden.

Bei diesen Angaben handelt es sich nur um die Fälle, die auch der Versicherung gemeldet wurden. Man darf also davon ausgehen, dass die tatsächliche Zahl der Bisse durch fremde (oder bekannte) Tiere noch größer ist.

Gerade für Kinder sind Tierbisse weitaus gefährlicher als für Erwachsene. Denn Kinder sind kleiner und von schmalerer Statur als Erwachsene. Ein Biss richtet bei ihnen also gleich viel mehr Schaden an.

Außerdem laufen Kinder wegen ihrer geringeren Körpergröße Gefahr, viel schlimmer verletzt zu werden. Ihr Gesicht oder auch ihr Hals sind in einer Höhe, die gerade die meisten Hunde sehr gut erreichen können und die damit häufig zum Ziel von Angriffen werden.

Fremde Tiere: Kinder laufen wegen ihrer geringeren Körpergröße Gefahr, viel schlimmer verletzt zu werden. (#01)

Fremde Tiere: Kinder laufen wegen ihrer geringeren Körpergröße Gefahr, viel schlimmer verletzt zu werden. (#01)

Vorsicht auch bei bekannten Tieren

Allerdings muss man sich von der Annahme verabschieden, dass nur fremde Tiere eine Gefahr für Kinder darstellen. Im Gegenteil: Die meisten Unfälle und Verletzungen werden Kindern von Tieren zugefügt, die sie kennen.

Vor allem Kinder, die mit einem Tier im Haushalt leben, sind gefährdet. Der Grund ist einleuchtend: Bei fremden Tieren sind Kinder eher vorsichtig, da sie das Tier nicht einschätzen können, weil sie es eben nicht kennen. Wohnen die Kinder dagegen mit dem Tier zusammen, sieht die Sache schon wieder anders aus: Dann wird wild getobt und man verhält sich nicht immer vorsichtig und verantwortungsbewusst.

Beste Voraussetzungen, damit es zu einem Unfall mit dem Tier kommt. Daher sollte man kleine Kinder unter keinen Umständen mit einem Tier allein lassen. Auch dann nicht, wenn das Kind das Tier schon seit seiner Geburt kennt.

Video: Der richtige Umgang mit Hund und Kind | MDR um 4 | MDR

Einige Regeln helfen beim Umgang

Auch wenn Kinder mit Haustieren aufwachsen, helfen einige Regeln, damit es nicht so schnell zu gefährlichen Situationen kommt.

Das fremde Tier nicht direkt anschauen. Direkter Blickkontakt kann ebenfalls Angst bei dem fremden Tier hervorrufen. (#02)

Das fremde Tier nicht direkt anschauen. Direkter Blickkontakt kann ebenfalls Angst bei dem fremden Tier hervorrufen. (#02)

  • Tiere beim Fressen nicht stören! Egal ob Haustier oder fremdes Tier. Wenn das Tier am Fressen ist, sollte es nicht gestört werden.
  • Rennt ein fremder Hund, oder auch ein anderes Tier auf das Kind zu, heißt es Ruhe bewahren. Unter keinen Umständen sollte man vor einem fremden Tier versuchen zu fliehen.
  • Hektische Bewegungen vermeiden: Auf schnelle und hektische Bewegungen reagieren nur die wenigsten Tiere positiv. Gewöhnen Sie ihr Kind daran, sich auch bei fremden Tieren ruhig zu verhalten.
  • Zu forsches Auftreten vermeiden. Ihr Kind hat nur wenig Angst vor fremden Tieren? Das ist zunächst einmal nicht schlecht, denn so wird es wohl kaum vor ihnen davonlaufen. Trotzdem sollten Sie ihr Kind dazu anhalten, von dem fremden Tier nicht zu viel zu verlangen. Stürmen Kinder unvermittelt auf ein Tier zu, kann das Tier das vielleicht als Aufforderung zum Spielen interpretieren. Es besteht aber auch die Gefahr, dass dieses Verhalten bei dem fremden Tier Angst hervorruft und es sich bedroht fühlt.
  • Das fremde Tier nicht direkt anschauen. Direkter Blickkontakt kann ebenfalls Angst bei dem fremden Tier hervorrufen. Genau das sollte man daher also ebenfalls vermeiden.
  • Das Tier nicht umarmen! Es kann auch sein, dass das Kind ein fremdes, oder auch ihm bekanntes Tier mit einem Spielzeug „verwechselt“ und es ohne viel zu fragen umarmt. Auch das kann ganz schnell nach hinten losgehen. Denn Tiere können eine Umarmung sehr schnell als sehr einengend empfinden und sich entsprechend zur Wehr setzen.
  • Immer fragen! Auch bei fremden Tieren sollten Kinder um Erlaubnis fragen. Das ist ohnehin keine schlechte Eigenschaft und kann gerade bei Tieren vor schlimmen Folgen schützen. Sagen Sie ihrem Kind daher häufig, dass es gerade bei fremden Tieren unbedingt den Besitzer fragen soll, ob es in Ordnung ist, das Tier zu streicheln.
  • Verhalten Sie sich neutral. Zeigen Sie ihrem Kind, dass man sich in Anwesenheit eines fremden Tieres am besten möglichst gleichgültig und neutral verhält. Sieht das Kind ihr Verhalten, stehen die Chancen gut, dass es diese Neutralität übernimmt und sich ebenfalls so verhält. Auch wenn es einmal allein einem fremden Tier ausgesetzt sein sollte.

Fremde Tiere und kleine Kinder: Das sollte man dem Tier ermöglichen

Gerade wenn Tiere, ob sie nun fremd sind, oder nicht, mit kleinen Kindern zusammen in einem Haus oder einer Wohnung leben, sollte man ihnen immer die Möglichkeit geben, sich von Geschehen zurückzuziehen.

Bei Tieren und ganz besonders bei fremden Tieren und kleinen Kindern ist immer Vorsicht geboten. (#03

Bei Tieren und ganz besonders bei fremden Tieren und kleinen Kindern ist immer Vorsicht geboten. (#03

Das geht beispielsweise in einem Hundekorb ganz gut. Das Kind sollte dabei schon frühzeitig lernen, dass das Tier nicht gestört werden darf, wenn es sich dorthin zurückzieht.

Außerdem sollte das Kind frühzeitig lernen, den Hund auch wie ein Lebewesen zu behandeln. Was bei einem Stofftier noch in Ordnung ist, ist bei einem Tier aus Fleisch und Blut vollkommen Tabu. Das bedeutet, dass es unter keinen Umständen den Hund am Schwanz oder an den Ohren ziehen darf.

Übrigens: Auf das alte Sprichwort, dass Hunde, die bellen, nicht beißen kann und sollte man sich nicht verlassen. Bei Tieren und ganz besonders bei fremden Tieren und kleinen Kindern ist immer Vorsicht geboten.

Grundsätzlich gilt in diesem Zusammenhang, dass man besser einmal zu viel ermahnt und vielleicht übervorsichtig ist, als später mit einem verletzten Kind zum Arzt fahren zu müssen. Aber auch wenn dem Kind nichts Schlimmes passiert, tut man gut daran, ihm frühzeitig beizubringen, dass man (fremden) Tieren den nötigen Respekt entgegenbringen sollte. Das ist schließlich ein Verhalten, das ihm auf seinem weiteren Lebensweg noch helfen wird.


Bildnachweis:© Shutterstock – Titelbild: Selins – #01: Photobac – #02: Khamidulin Sergey – #03: Inna Ska

Über Iris Martin

Iris Martin, Jahrgang bleibt ein gut gehütetes Geheimnis, ist Mutter zweier Kinder. Rabauke 1 und Rabauke 2 sind Wunschkinder ersten Grades, treiben ihre Eltern regelmäßig an den Rand der Verzweiflung und wissen sie von dort mit einem lieblichen Augenaufschlag wieder wegzuholen. Iris ist derzeit mit ihren beiden Jungs zu Hause, genießt das Leben als Vollzeitmami und hält das Chaos so im Rahmen. Neuen Herausforderungen stellt sie sich dabei gerne – immer gut gewappnet mit dem Wissen, das nur aktiv agierende Eltern haben können.

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