Die Geburt

Posted by Birgit on März 6th, 2008 at 10:06am

Tja, wann geht so eine Geburt eigentlich los?

Die von unserer kleinen Maus wohl irgendwie schon 10 Tage vorher … ich hatte Wehen, immer wieder. Mal stark - mal schwach. Mal mit 10 Minuten Abstand, dann stundenlang keine.

Es war zum Abdrehen.

Endlich - am Mittwoch abend gings “rund” … alle 5 - 10 Minuten Wehen, die man endlich als Wehen beschreiben konnte.
Wir also Schwiegermama angerufen - und ab in die Klinik. Die Hebamme untersuchte mich - Muttermund ca. 2 - 3 cm geöffnet und der Kopf sitzt wohl noch zu hoch. Toll! Ganz toll! Also Treppensteigen, stundenlang… nach 2 Stunden noch eine Untersuchung. Es hatte sich nichts getan.

*heul*

Nach 4 Stunden Dauerwehen gab mir die Hebamme etwas zum Wehenstoppen. War zwar nicht dass, was ich wollte - aber die ganze Nacht mit nichtswirkenden Wehen wollte ich auch nicht.

Die Wehen wurden weniger, schwächer - und hörten schliesslich komplett auf.

Nach über 5 Tagen Wehen endlich wieder einmal ohne! Puh! Durchschnauf!
Am nächsten Morgen stellte mich der Frauenarzt vor die Wahl: einleiten (eine Woche vor Termin) oder wieder heim.
Nein, bestimmt nicht einleiten! Lieber wieder heim! Mein Mann ist fast durchgedreht… langsam machte sich die Angst breit, dass wir es nicht mehr in die Klinik schaffen würden.

Es sind ja doch fast 30 km bis ins Krankenhaus - und beim 3. Kind … wer weiss, wie lange es wirklich dauert?

Die Wehen waren auf alle Fälle erstmal weg - ganze 24 Stunden… dann kamen sie nach und nach wieder. Wurden wieder stärker, wieder schwächer - wieder mit stündlichem Abstand und dann wieder mit 5-Minütigen Abstand.
Aber irgendwie nicht stark genug.

Die Warterei zehrte an den Nerven.

Am Mittwoch, den 23.01.2008 hatte ich Entbindungstermin - und somit auch einen Termin beim Frauenarzt. Nachdem Wehenmarathon wollte mich Dirk nicht mehr alleine fahren lassen - und hatte sich extra dafür frei genommen.
Irgendwie sollte das wohl so sein - besser planen hätten wir es auch nicht können.

Am 23.01.2008 um 5.30 Uhr wachte ich auf - irgendwas war nass zwischen meinen Beinen. Einen Blasensprung? Nein, nachdem ich bei Marcel - meinen Großen - bereits einen “echten” Blasensprung hatte, wusste ich, dass das keiner sein konnte.

Es kam immer wieder einmal ein kleiner Schwall - aber nicht so wie damals … da kam ich mir vor, als stände ich unter der Dusche. Also drehte ich mich um und schlief weiter. Im Nachhinein verstehe ich das auch nicht mehr, erst war ich so aufgeregt und jetzt, wo’s endlich losging, konnte ich nochmal einschlafen.

Eine Stunde später klingelte mein Wecker - ich also aufsetzen … und das Bett war nass. Ups - wohl doch ein Blasensprung? Meine beiden Jungs kamen zum Kuscheln … also legte ich mich noch mal um und nahm beide in den Arm. Das letzte Mal kuscheln mit “nur” zwei Kindern.

Ich genoss die Minuten und erzählte den Beiden, dass sie heute ein Geschwisterchen bekommen würden. Es war so ein schöner Moment, den ich wirklich genoss. Meine beiden Jungs glaubten mir wohl nicht so ganz - immerhin hatten wir das ja letzte Woche auch schon erzählt.

Dann stiegen wir auf - ich legte ein Handtuch auf den Stuhl, trank mit Dirk und den Jungs in Ruhe einen Kaffee und aß sogar noch eine Kleinigkeit. Dirk wurde langsam nervös, wollte die Jungs früher in die Schule schicken … damit wir endlich loskämen.

Ich hatte immer noch die Ruhe weg, die Wehen kamen nun ca. alle 20 - 25 Minuten. Dirk - bleib ruhig! Es dauert noch! Kurz nach 7.45 Uhr waren die Jungs weg - und ich rief die Hebamme an. Freudig stellte ich fest, dass es die gleiche war, wie letzte Woche, wo es nur falscher Alarm war.

Ich erzählte ihr von dem Blasensprung (und vergass glatt, dass es ein sog. “hoher Blasensprung” ist) - und dass ich alle 10 - 12 Minuten Wehen bekam.

Die Hebamme meinte, wir sollten losfahren - sie würde sofort kommen.

Wir waren vor der Hebamme im Krankenhaus. Nun schon ca. alle 5 Minuten Wehen. Noch nicht stark genug - aber mit jeder Wehe wurde es stärker. Nach ca. 10 Minuten kam die Hebamme um die Ecke geschossen. Puh - ich saß noch auf der Couch, bei einem “echten” Blasensprung wäre es wohl schneller gegangen.

Im Kreissaal schloss sie mich am CTG an - nun schon alle 3 - 4 Minuten Wehen.. die jetzt auch gut weh taten *ganz cool* … mein Muttermund war auch schon 7 - 8 cm offen. Also hatten die Wehen die letzte Woche doch etwas bewirkt.

Ich wartete somit auf jede Wehe - lag im Bett und veratmete so gut es ging.

Dann lief ich im Kreissaal herum - bei jeder Wehe hielt ich mich irgendwo fest und versuchte mich so “rund” wie möglich zu machen. Die Hebamme war da - und sprach mir gut zu. Dirk sah irgendwie deplatziert aus. Er wollte so gerne helfen, wußte aber nicht wie und wo.

Zwischendurch mußte ich 3 x auf die Toilette. Das letzte Mal als ich schon meinte, das Baby würde unten rausfallen. Die nächste Wehe kam, bevor ich wieder ins Bett klettern konnte. Das machte sich die Hebamme zu Nutze: ich solle doch mal ein paar Wehen im Stehen machen.

Wie? Im Stehen?

Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich sie umgebracht. Das tat weh - und zu allem überfluss drückte sie mein Becken bei jeder Wehe in die “richtige” Position. Klar! Die richtige Position war auch die, die am meisten wehtat. *heul*

Mittlerweile jammerte ich wohl sehr… irgendwann durfte ich doch wieder ins Bett. Die Ärztin legte mir einen Zugang und spritze mir auch gleich ein Mittel, was den Mumu weicher machen sollte.

Bei der nächsten Untersuchung stellte die Hebamme fest, dass der Mumu komplett offen wäre - und das Baby wohl gleich kommen würde.

Mir war mittlerweile alles egal - ich schrie wahrscheinlich wie am Spieß und selbst das war mir egal. Mir liefen die Tränen über die Wangen und Dirks Händ quetschte ich zusammen, als wären es reife Pflaumen.

Irgendwann erzählte mir die Hebamme “so zwischendurch”, dass ich die Gebährmutter mit rausschieben würde, und sie diese deshalb über den Kopf vom Baby ziehen müsste. Die Ärztin meinte feixend die Gebährmutter wollte sie heute nicht sehen. Da musste ich lachen - nein, die sollte schon schön drinnen bleiben.

Bei der nächsten Wehe war mir nicht mir zum Lachen zu mute - das tat richtig weh … dieses “Gebärmutter übern Kopf ziehen”. Mit der nächsten Wehe fing ich an zu Pressen. Nun schrie ich wie am Spieß … die Hebamme meinte, ich solle langsam pressen.

NEIN! Ganz bestimmt nicht! Ich wollte es endlich hinter mich bringen!Langsam! Nicht pressen! kommandierte die Hebamme… doch jetzt hatte ich das Heft in der Hand. Raus! Raus sollte das Baby! Und zwar jetzt! Sofort!Die nächste Wehenpause dauerte nicht lange - eventuell eine Minute … länger nicht.Während dieser Minute versuchte die Hebamme mir zu erklären, dass ich nicht so fest pressen sollte bei der nächsten Wehe - gleich wäre das Baby doch da. Rein theoretisch mochte ich das ja einsehen. Rein praktisch war die Einsicht mit der nächsten Wehe verschwunden.

Die Ärztin meinte nur, dass ich wohl zuviel überflüssige Kraft hätte - ich presste, was das Zeug hielt. Nur als die Hebamme sagte: Stop! Das Köpfchen ist da! … konnte ich innehalten. Denn nun arbeitete mein Verstand wieder. Jetzt musste ich dem Baby ein bischen Zeit geben, sich richtig zu drehen….

Außerdem wusste ich ja, dass nun das schmerzhafteste vorüber war.

Mit der nächsten Wehe kam mein Baby auf die Welt - und das erste Mal sah ich meine kleine Maus. Sie lag zwischen meinen Beinen auf einem weissen Tuch, dass allerdings ganz interessant gefleckt war. Das Fruchtwasser war wohl schon “überreif” … dunkelgrün bis braun war es wohl schon.

Aber ich hatte nur Augen für mein Baby - wie sie so da lag. Die Augen schon weit aufgerissen … und vor sich her erzählte. Mein Schatz ist auf der Welt! Nach nicht einmal 2 Stunden im Kreissaal ist meine kleine Lena auf der Welt.

Kurz darauf wurde die “kleine” Maus vermessen: 52 cm groß, 4380 g schwer und einen Kopfumfang von 37 cm. Trotz des Riesenbabys mit dem Riesenschädel bin ich nicht eingerissen! Das war für mich ein wirkliches Wunder, dass ich auch darauf zurückführe, dass ich jeden Tag Dammmassage mit dem Dammassageöl gemacht habe.

Auch wenn diese zwei Stunden wehtaten, nun war ich die glücklichste Frau auf der ganzen Welt.

Dieses Gerede, man würde die Schmerzen sofort vergessen… die stimmen nicht. Aber in dem Moment wo die Hebamme mir meine kleine Maus auf die Brust legte, waren mir die Schmerzen egal. Für diesen einen Moment würde ich gerne noch
einmal solche Schmerzen auf mich nehmen.

Eine Geburt tut weh - das kann ich nicht verleugnen. Im Gegenteil: meine Stimmbänder haben es mir noch mindestens 24 Stunden bewiesen. Die hatte ich während der Entbindung wohl so strapaziert, dass sie einen Tag lang weh taten.

Zwei Stunden später brachte mich die Hebamme auf mein Zimmer. Weitere zwei Stunden später war ich mit Dirk im Krankenhaus-Cafe: eine schöne Tasse Kaffee trinken!
 

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