Geburt mit Einleitung

Posted by Birgit on August 17th, 2009 at 01:26pm

Eigentlich war am 27.07. Entbindungstermin - aber wie so oft, dachte unser Sohnemann auch nicht daran, zu kommen.

Nachdem ich aber langsam kaum mehr laufen, liegen bzw. sitzen konnte - und dazu ja auch noch unsere 3 “Großen” daheim waren, haben meine Frauenärztin und ich uns auf eine Einleitung am Tag darauf geeinigt. Nicht auf Biegen und Brechen - wenn der kleine Mann keine Lust hätte, auf die Welt zu kommen, würden wir eben doch noch ein paar Tage warten.

Das hat mich beruhigt, denn auf 10 Stunden Dauerwehen ohne jeden Erfolg hatte ich keine Lust - das hatte man ja schon einige Male gehört, dass man einen Wehentropf angeschaltet bekäme - volle Kanne aufgedreht und dann solle das Baby kommen, ob es mag oder nicht.

Sowas wollte ich nicht erleben - es sollte ja unsere letzte Geburt sein und diese wollte ich in guter Erinnerung haben.

So ging es also am Dienstag morgen los - meine Mutti passte auf unsere Kleine auf … die beiden Großen gingen in die Schule. Wir waren so kurz nach 9 Uhr morgen im Krankenhaus - und die Hebamme gar nicht erfreut. Der Befund wäre gar nicht sooo toll - weder war der Muttermund weich genug und auch war er “nur” 3 cm offen. Ob das was werden würde, …. könne sie nicht sagen.

Also telefonierte sie erstmal mit der Ärztin… hier wieder die gleiche Aussage - wir würden es versuchen, würde sich nach ein oder zwei Stunden nix tun, müssten wir halt wieder ohne Baby heim. Der Gedanke daran gefiel mir gar nicht…. aber besser als am Ende doch noch einen Kaiserschnitt zu bekommen.

So kam ich an den Tropf (die Nadel im Handrücken war fast das Schlimmste an diesem Tag) - und langsam drehte die Hebamme auf… meine gaaaaanz leichten Wehen, die am Morgen schon auf dem Wehenschreiber zu sehen waren, wurden etwas stärker - aber “richtige” Wehen fühlten sich anders an.

Nach ungefähr 90 Minuten schaltete die Hebamme den Tropf aus - und schickte uns spazieren gehen… gute 30 Minuten spazieren - und genau EINE richtige Wehe hatte ich. Ich war enttäuscht - aber wirklich richtig enttäuscht… stellte mich schon darauf ein, wieder “mit dicken Bauch” heim zu müssen.

Kaum auf dem Entbindungsbett kamen die Wehen wieder - etwas stärker und auch recht regelmässig… aber Geburtswehen waren das noch lange nicht. :-(

Wir hatten mittlerweile knapp 14 Uhr - und die Wehen waren noch nicht mal so stark, dass ich sie hätte veratmen müssen …. Dirk und ich überlegten wirklich ernsthaft, dem Ganzen hier ein Ende zu setzen und heim zu gehen….

Auch die Hebamme war wenig begeistert - ein letztes Mal wollte sie sich den Muttermund anschauen …. an ihrem überraschten Gesicht sah ich recht schnell, das “etwas nicht stimmt” … der Muttermund war trotz schwacher Wehen von 3 cm auf 6,5 cm aufgegangen - so würde sie mich nicht mehr heim lassen. Freude kam auf - und plötzlich auch etwas Angst, jetzt war es wohl doch endgültig soweit… der Gedanke daran, dass ich bald mein Baby im Arm halten würde mischte sich mit der Angst vor den Schmerzen der Geburt.

Nachdem sich aber kaum etwas tat, schickte uns die Hebamme nochmal für 30 - 45 Minuten an die frische Luft… die Gelegenheit, ein Eis zu essen. Genau vor dem Krankenhaus hatte vor kurzem eine sehr gute Eisdiele geöffnet. In den 45 Minuten hatte ich dann 3 (!) richtige Wehen - so richtig mit veratmen und so…. aber ganze drei Stück … das könne heute noch ein langer Tag werden, dachte ich mir so.

Als wir das der Hebamme erzählten, dass ich GANZE 3 Wehen hatte, sah auch sie recht betrübt aus der Wäsche… ich kletterte wieder auf den Entbindungsstuhl - und die Hebamme untersuchte mich noch einmal… der Muttermund war schon gute 7 cm offen… nur irgendwie wollten sich die Wehen nicht einstellen…. *grummel*

Also lief ich im Kreissaal hin und her - nun kamen die Wehen doch etwas häufiger (ich hatte bald das Gefühl, dass ich außerhalb dieses Kreissaales einfach keine Wehen bekommen konnte ;-) ) …. auch wurden sie stärker. Als sie so alle 5 Minuten kamen, krabbelte ich wieder auf den (recht bequemen) Entbindungsstuhl. Das CTG wurde wieder angeschlossen - und bestätigte mein Gefühl: die Hügel wurden höher - die Abstände geringer.

Als ich so alle 3 Minuten Wehen hatte - immer noch aushaltbar, wir hatten mittlerweile schon nach 16 Uhr, öffnete die Hebamme die Fruchtblase … die Wehen wurden sofort stärker und vorallem drückten sie jetzt richtig nett nach unten. Wir machten aber immer noch Spaß, Dirk und die Hebamme “freuten” sich darüber, dass mir die Wehen nun “endlich” weh taten… und ich konnte sogar noch mitlachen.

Es war eine echt entspannte Situation - sowas konnte sich aber auch nur einstellen, weil wir jetzt schon über 5 Stunden zu dritt an dem “Projekt Geburt” arbeiteten… die Hebamme und wir hatten uns über vieles unterhalten, Dirk hat einige Kaffees getrunken ….

Die Fruchtblase war wohl schon ein paar Minuten auf - da kam mir plötzlich wieder, warum ich eigentlich kein Baby mehr bekommen wollte: die Schmerzen wurden unerträglich … ich schrie und weinte und fluchte …. so sehr, wie wohl noch bei keinem meiner Geburten. Selbst Dirk war danach leicht irritiert, so hatte er mich bei den drei anderen Geburten nicht erlebt.

Die Minuten, jede Wehe .. irgendwie dauerte das alles ewig lange. Zwischen den Wehen - die wohl jetzt innerhalb von einer bis zwei Minuten kamen - lehnte ich mich zurück um mich auszuruhen… wenn die nächste Wehe sich anbahnte, wollte ich am Liebsten ausreissen … aber da musste ich jetzt wohl durch.

Was soll ich sagen?

Nach nicht einmal einer Stunden “echter Wehen” - und ganzen 3 Presswehen war unser Sohn auf der Welt. Das war superschnell, aber auch super schmerzhaft…. da lieber ein paar Presswehen mehr …. und die einzelnen Wehen tun nicht so weh. :-)

Als er so zwischen meinen Beinen lag, konnte ich mich gar nicht wirklich freuen. So sehr hatte das weh getan …. ich war noch total im Tran. Erst als mich die Hebamme dazu aufforderte, meinen Sohn auf den Arm zu nehmen, reagierte ich.

Wie der Kleine dann so nackt und ungeschützt auf mir lag, ging mir aber sofort das Herz auf. Unser Kleiner hatte total rabenschwarze Haar - und schrie aus Leibeskräften.

Beim Vermessen wurde mir auch klar, warum die Geburt so schmerzhaft war:

Unser “kleiner” Jannes hatte 4440 g - war 57 cm groß - und hatte einen Kopfumfang von 38 (!) cm.

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